Turnier · 10. August 2026
Der Titel bleibt in Göttingen

Feldbogen ist die Königsdisziplin im Bogensport. Kein ebener Platz, keine feste Entfernung, kein zweiter Versuch auf denselben Winkel. Man geht von Ziel zu Ziel, schätzt, entscheidet sich, löst. Ob man richtig lag, sieht man erst, wenn der Pfeil steckt. Am 8. und 9. August ging das in Kellinghusen über zwei Tage, über unbekannte und über bekannte Entfernungen, bergauf und bergab.
Am Ende dieses Wochenendes steht Svenja Herrmann wieder ganz oben. Sie ist Deutsche Meisterin im Feldbogen, ein Jahr nach Delmenhorst.
Enger als im Vorjahr
338 Ringe bei den Recurve Damen, zwei mehr als Daniela Klesmann mit 336, vier mehr als Bianca Speicher mit 334. Im Feldbogen gibt es kein Finalschießen, das über den Titel entscheidet. Es zählt, was am Ende auf dem Zettel steht, und da standen zwei Ringe zwischen Gold und Silber. Im Vorjahr hatte Svenja mit 340 Ringen noch zehn Ringe Vorsprung. Wer schon einmal eine unbekannte Entfernung um zwei Meter danebengeschätzt hat, weiß, wie schmal dieser Abstand ist.
Titel verteidigt. Das ist der schwierigere Teil, weil man beim zweiten Mal als die Gejagte auf den Parcours geht, und weil es keine zweite Chance in einem Satzsystem gibt, die einen schwachen Abschnitt wieder aufheben könnte. Jeder Pfeil bleibt im Ergebnis stehen.
Im September geht es weiter, und zwar deutlich weiter: Vom 22. bis 27. September findet die Weltmeisterschaft Feldbogen in Yankton, South Dakota, statt. Svenja fährt mit.
Die anderen aus Grone
Emmi Roß kam bei den Recurve Schüler A mit 259 Ringen auf Platz drei. Das Feld war klein, vier Starter, und trotzdem ist es das, was es ist: eine Medaille bei einer Deutschen Meisterschaft. Leo Hesse folgte mit 233 Ringen auf Platz vier.
Sabine Sennhenn-Kirchner schoss im Blankbogen der Damen 272 Ringe und wurde Siebte von zwanzig. Im Vorjahr in Delmenhorst waren es 242 Ringe und Platz 13. Dreißig Ringe mehr innerhalb eines Jahres, in der Klasse ohne Visier und ohne Stabilisation. Das ist die Art von Entwicklung, die in keiner Schlagzeile auftaucht und in jedem Training sichtbar wird.
Kellinghusen
Eine Deutsche Meisterschaft im Feldbogen ist Arbeit für den ausrichtenden Verein. Ein Parcours muss gebaut, abgesichert, betreut und am Ende wieder abgebaut werden, meist im Wald, meist bei Wetter, das sich nicht abspricht. Dass der Termin wegen Wacken um eine Woche verschoben werden musste, hat die Vorbereitung nicht einfacher gemacht. Es hat funktioniert. Dafür gebührt den Gastgebern in Kellinghusen Dank, ebenso den Kampfrichtern, die zwei Tage lang zwischen den Zielen unterwegs waren.
Was bleibt
Vier Namen aus dem ASC in einer bundesweiten Ergebnisliste, ein verteidigter Titel, eine Bronzemedaille im Nachwuchs und eine Schützin, die sich um sechs Plätze verbessert hat. Vier sehr verschiedene Wettkämpfe an einem Wochenende, mit demselben Ursprung: Menschen, die regelmäßig auf den Platz in Grone kommen, auch wenn niemand zuschaut.
Wir gratulieren allen vieren.
Hartmut Stöpler
Fachbereichsleiter Bogensport, ASC Göttingen von 1846 e. V.