Turnier · 10. August 2025
Gold im Gelände

Deutsche Meisterschaft Feldbogen, Delmenhorst, 9. und 10. August 2025
Feldbogen ist die ehrlichste Form unseres Sports. Keine ebene Linie, keine immer gleiche Entfernung, kein Dach über dem Kopf. Stattdessen ein Parcours durch das Gelände, Ziele bergauf und bergab, mal in praller Sonne, mal im Schatten unter Bäumen, manche Distanzen bekannt, manche zu schätzen. Wer hier besteht, kann nicht nur schießen. Er kann sich auf jeden Stand neu einlassen, als wäre es der erste. In Delmenhorst hat das an diesem Wochenende niemand besser gekonnt als Svenja Herrmann.

Der Titel
Svenja Herrmann gewann die Recurve Damen mit 340 Ringen und ist Deutsche Meisterin im Feldbogen 2025. Das ist für sich genommen schon ein großer Tag. Was ihn besonders macht, ist das, was davor lag: Es ist bereits ihr zweiter deutscher Meistertitel in diesem Jahr, nach dem Gold in der Halle. Halle und Gelände in einer Saison, zwei Disziplinen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die eine verlangt die immer gleiche, makellose Wiederholung, die andere die Fähigkeit, sich ständig auf Neues einzustellen. Beide an die Spitze zu bringen, gelingt nur wenigen. Man muss nicht von Ausnahmestellung reden. Es genügt, hinzusehen.

Ein ganzes Team im Parcours
Eine Deutsche Meisterschaft ist kein Auftritt einer Einzelnen, und der ASC war breit vertreten. Tim Reinemann erreichte in der Recurve Jugend mit 267 Ringen den siebten Platz, eine Platzierung unter den besten zehn bei einer DM, die für einen jungen Schützen viel bedeutet. Sabine Sennhenn-Kirchner kam im Blankbogen der Damen auf 242 Ringe und Platz 13, in einer Klasse, die im Gelände ohne Visier besonders viel verlangt, weil jede Schätzung allein im Kopf entsteht. Stephan Stender rundete das Bild im Blankbogen der Master mit 270 Ringen und Platz 24 ab. Vier Schützinnen und Schützen, drei Bogenarten, ein Verein.

Was hinter dem Ergebnis steht
Kalle Bode, der bei uns den Feldbogenbereich betreut, sprach hinterher von Stolz auf die ganze Mannschaft. Svenja habe im Parcours Nervenstärke und Technik zusammengebracht, und das sei der Lohn für viele Monate Training. Aber, so sein Blick, nicht nur die Goldmedaille zähle, sondern ebenso die Platzierungen von Tim, Sabine und Stephan, die zeigten, wie breit und wie hoch das Niveau in der Abteilung inzwischen ist. Es ist dieser Blick, der einen Verein trägt: einer, der die Spitze feiert und im selben Satz die ganze Mannschaft meint.
Was bleibt
Im Gelände lässt sich nichts erzwingen. Der Hang, das Licht, die ungewisse Entfernung, all das gehört zum Schuss dazu und entzieht sich der Kontrolle. Genau darin liegt der Reiz: sich einzulassen auf das, was nicht in der Hand liegt, und im richtigen Moment trotzdem ruhig zu werden. Svenja Herrmann hat das an zwei Tagen in Delmenhorst Schuss für Schuss vorgemacht, und ein ganzes Team mit ihr. Das ist mehr als eine Medaille. Das ist die Kunst, die wir hier üben.

Vom Wochenende gibt es ein Album mit achtzig Bildern aus dem Parcours.
Hartmut Stöpler
Fachbereichsleiter Bogensport, ASC Göttingen von 1846 e. V.