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Turnier · 26. Juli 2026

Zweimal um Bronze in der Finalarena

Miriam Wiebel und Oskar Mühl treten im Bronzematch der Finals 2026 in Hannover an.

Es gibt in diesem Sport einen Moment, in dem alles gleichzeitig passiert. Vier Sätze sind geschossen, es steht unentschieden, und dann kommt das Stechen: ein Pfeil pro Schütze, und wer näher an der Mitte liegt, ist weiter. Der ASC Göttingen hat diesen Moment bei den Deutschen Meisterschaften in Hannover dreimal erlebt. Zweimal ging er im Halbfinale gegen uns aus, und beide Male gegen die Mannschaft, die anschließend Deutscher Meister wurde.

Das ist die kurze Fassung eines Wochenendes, an dem zwei Göttinger Mannschaften um eine Medaille geschossen haben.

Die Damen und ein 0:4

Svenja Herrmann, Flora Kliem und Freya Elisabeth Kliem gingen als Sechste der Qualifikation in die Ausscheidungsrunden, mit 1678 Ringen unter siebzehn Mannschaften. Im Viertelfinale trafen sie auf BSSC Olympia, den Dritten der Qualifikation, und gewannen 5:3.

Im Halbfinale wartete BSC BB-Berlin mit Elina Idensen, Clea Reisenweber und Melina Koepper. Nach zwei Sätzen lagen die Göttingerinnen 0:4 zurück. Es war praktisch vorbei. Dann schossen sie 49 und gewannen den dritten Satz. Dann 53, den höchsten Satz des ganzen Matches, und es stand 4:4. Im Stechen kamen die Berlinerinnen auf 26 Ringe, die Göttingerinnen auf 15. Das war deutlich, und es war das Ende. Der Deutsche Schützenbund schrieb hinterher, Berlin habe sich gegen Göttingen erst im Stechen behaupten können.

Damit war das Goldfinale weg, die Medaille aber noch nicht. Am Samstag standen die Göttingerinnen im Bronzematch in der Finalarena vor dem Neuen Rathaus, vor vollen Rängen und im Livestream. Es ging um Bronze. Den ersten Satz gewannen sie mit 50 zu 49. Danach zog BSG Ebersberg davon, 2:6. Platz vier bei einer Deutschen Meisterschaft.

BSC BB-Berlin wurde am selben Tag Deutscher Meister.

Die Jugend und ein 4:0

Am Sonntag dasselbe Bild, nur spiegelverkehrt. Miriam Wiebel und Oskar Mühl kamen als Neunte von einundzwanzig Paaren in die Endrunde. Im Achtelfinale schlugen sie ASV Buchenbühl 6:2, im Viertelfinale SGi Ditzingen ebenfalls 6:2.

Im Halbfinale gegen Jasmin Lange und Til Lucas Schröder von Blau-Weiß Weißensee führten sie 4:0. Zwei Sätze fehlten zum Goldfinale. Dann kamen die Weißenseer zurück, glichen aus, und im Stechen stand es 13 zu 17. Schröder hatte bei den Finals 2023 in Düsseldorf schon einmal gewonnen. Er und seine Partnerin wurden am Sonntag Deutsche Meister.

Das Bronzematch gegen Magdalena Milnerowicz und Ole Decher von SPS Niederwetz ging mit 0:6 verloren. Auch hier Platz vier.

Miriam Wiebel und Oskar Mühl warten mit ihren Recurvebogen in der Finalarena der Finals 2026 in Hannover.

Zehn Mannschaften aus Göttingen

In Hannover waren 277 Mannschaften aus 116 Vereinen am Start. Elf davon hatte der ASC gemeldet, zehn gingen an die Linie. Mehr Mannschaften stellte nur die FSG Tacherting mit dreizehn. Auffälliger als die Zahl ist die Spannweite: Der Deutsche Schützenbund teilt den Recurvebogen in vier Altersklassen, Jugend, Erwachsene, Master und Senioren. In allen vieren vertreten waren an diesem Wochenende genau zwei Vereine, der PSV München und der ASC Göttingen. Zwischen dem jüngsten und dem ältesten Göttinger Starter liegen dreiundsechzig Jahrgänge.

Wer alles dort geschossen hat, gehört genannt.

Manuela und Stephan Stender gewannen im Mixed Blankbogen ihr Achtelfinale gegen Elberfelder TG im Stechen, mit 15 zu 12. Im Viertelfinale trafen sie auf die erste Mannschaft desselben Vereins, die den Wettkampf später gewann.

Sigrid Hoyer-Fender und Ulrich Brackmann erreichten im Mixed Recurve der Senioren als Fünfte der Qualifikation das Viertelfinale. Die Seniorenmannschaft mit Dimitrij Blaz, Ulrich Brackmann und Bernhard Kirchner schied im Viertelfinale gegen St. Tönis aus, den späteren Vizemeister. Brackmann stand damit an zwei Tagen an der Linie.

Im Mixed Recurve der Erwachsenen gingen zwei Göttinger Paare an den Start, Svenja Herrmann mit Nils Hartleb und Freya Elisabeth Kliem mit Michel Scholer, in einem Feld von dreiundvierzig Paaren. Sonja Welskopf und Frank Liebig schossen im Mixed der Master. Die Herrenmannschaft der Erwachsenen mit Sebastian Eggert, Nils Knöchelmann und Michel Scholer kam unter sechsundzwanzig Mannschaften ins Ziel.

Die zweite Damenmannschaft mit Esther John, Daniela Mühl und Vanessa Theuer trat neben der ersten in derselben Klasse an. Und die Mannschaft Blankbogen Damen mit Gerry Barthold, Mirja Erdfelder und Sabine Sennhenn-Kirchner konnte nicht antreten. Sie war gemeldet und stand in der Startliste. Auch das gehört in den Bericht, sonst stimmt die Rechnung nicht.

Wer sonst noch dort schoss

Es hilft, sich das Feld anzusehen, in dem diese Ergebnisse entstanden sind. In der Finalarena schossen an diesem Wochenende Welt- und Europameister, Olympiamedaillengewinner und komplette Nationalkader-Trios. Im Mixed-Goldfinale der Erwachsenen standen sich vier Aktive gegenüber, die zusammen mehrere olympische Medaillen halten. Wer bei einer solchen Meisterschaft ins Halbfinale kommt, hat sich nicht durch ein schwaches Feld geschlichen.

Der Rahmen

Der Deutsche Schützenbund und die Stadt Hannover haben die Finalarena mitten in die Innenstadt gestellt, vor die Fassade des Neuen Rathauses. Das hätte eine Kulisse ohne Publikum werden können. Es wurde das Gegenteil. Die Ränge waren voll, und zwar nicht nur bei den Klassen mit großen Namen. Menschen blieben stehen, weil vorne jemand einen Pfeil löste und ein ganzer Platz dabei still wurde. ARD und ZDF übertrugen alle Medaillenkämpfe live. Wer Bogenschießen sonst als stille Sportart kennt, hat dort etwas anderes gesehen.

Was bleibt

Zweimal entschied ein Stechen darüber, wer ins Goldfinale einzieht, und zweimal ging es gegen Göttingen aus. Danach stand jedes Mal ein Bronzematch, in dem eine Medaille zu holen gewesen war, und beide Male hat es nicht gereicht. Das ist die ehrliche Bilanz: zwei Mannschaften haben um Edelmetall geschossen und es nicht mitgenommen.

Was davon bleibt, ist trotzdem nicht wenig. Zwei Göttinger Mannschaften standen an einem Wochenende in der Arena, in der die Titel vergeben wurden, eine davon bestand aus zwei Jugendlichen. Wer dort einmal gestanden hat, weiß hinterher genauer, was noch fehlt. Das ist mehr wert als jede Platzierung, die man sich schönrechnet.

Hartmut Stöpler, Fachbereichsleiter Bogensport, ASC Göttingen von 1846 e. V.

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