Gänselieselturnier · 23. August 2026
Zweimal 494, einmal Gänsehaut

Zweimal 494, einmal Gänsehaut
Das 13. Gänselieselturnier, unser Jubiläumsturnier, und ein Tag, an dem die Zehner entscheiden mussten
„Viel Spaß und alle ins Gold" steht seit Jahren auf unserer Einladung. Am 23. August haben 88 Leute das offenbar wörtlich genommen.
Fangen wir hinten an, bei der Siegerehrung der Schülerinnen. Da stand zweimal dieselbe Zahl auf dem Blatt. Mimi Schröter: 494. Elisa Jiuyun Zheng: 494. Beide vom ASC, beide 18 Meter, beide sechzig Pfeile, und nach all dem trennte die zwei kein einziger Ring. Am Ende musste die Zahl der Zehner ran, 14 zu 8, und so wurde Mimi Erste und Elisa Zweite. Man kann ein Turnier komplizierter entscheiden. Schöner kaum.
Fünfzig Jahre und siebzig Jahrgänge
Es war das 13. Gänselieselturnier und gleichzeitig unser Jubiläumsturnier: 50 Jahre Bogensport im ASC Göttingen. Passend dazu standen Jahrgänge von 1948 bis 2018 auf derselben Linie, bei derselben Auflage, mit denselben Regeln und, das sei erwähnt, mit derselben Ernsthaftigkeit. Siebzig Jahrgänge Altersunterschied und niemand, der das für erwähnenswert hielt. Zeigt mir das mal eine andere Sportart nach.
Die Kleinen räumen ab
Bei den Schülern gingen Platz eins und zwei an den ASC: Ferdinand Lehmann mit 496 Ringen, Jonathan Waßmann mit 479. Und dann ist da Konstantin Lehmann, Jahrgang 2018, jüngster Teilnehmer des gesamten Turniers, Platz fünf mit 431 Ringen. Sechzig Wertungspfeile sind für einen Erwachsenen ein Nachmittag. Für ein Kind in dem Alter sind sie eine kleine Expedition. Er hat sie zu Ende gebracht, und zwar ziemlich gut.
Bei den Recurve-Damen schoss Sigrid Hoyer-Fender 527 Ringe und wurde Zweite, mit 272 im zweiten Durchgang, dem besten Damen-Durchgang des Tages. Wer nach der Pause noch einen Zahn zulegt, hat entweder gut gegessen oder starke Nerven. Vermutlich beides. Julija Hecht wurde Vierte mit 498 Ringen. Ulrich Brackmann, Jahrgang 1952, kam bei den Compound-Herren mit 560 Ringen auf Platz fünf. Marco Schöps wurde bei den Recurve-Herren Achter mit 497, Fender Hardy Zehnter mit 483. Insgesamt waren wir mit fünfzehn Startenden vertreten, vom Schülerkind bis zum Herrenfeld.
Und dann war da noch dieser eine Compoundschütze
Chris Walther vom SV Schwabhausen hat bei den Compound-Herren 584 von 600 Ringen geschossen. Wer nachrechnet: 44 Zehner, 16 Neuner, zusammen sechzig Pfeile. Das heißt, kein einziger seiner Pfeile lag außerhalb der Neun. Nicht einer. Die Scheibe war anschließend, sagen wir, gut belüftet.
Eng ging es bei den Compound-Damen zu: Jennifer Hesse vom TV 1890 Brakel gewann mit 548 vor Anne-Sophie Richter vom BSC Vellmar mit 547. Ein Ring. Über sechzig Pfeile. Da denkt man abends noch an den einen Schuss, bei dem man kurz nicht ganz da war.
Und in der weiblichen Jugend schoss Lara Bergmann vom BSC Clauen 518 Ringe. Damit lag sie über allen Recurve-Damen bis auf zwei. Die Damenklasse hat das mit sportlicher Fassung zur Kenntnis genommen. Bei den Recurve-Herren gewann Gerhard Gefäller vom BSC Clauen mit 556, im Blankbogen Andreas Thöne vom SV Arolsen mit 510 und Tanja Sargeant vom BSC Clauen mit 502.
Angereist aus allen Richtungen
Mehr als zwanzig Vereine waren gemeldet. Aus Aurich, aus Salzmünde, aus Vellmar, Arolsen und Korbach, aus Brakel, Söhlde, Clauen, Hornburg, Herzberg, Duderstadt, Hattorf und Zwinge, dazu die Nachbarschaft aus Göttingen selbst. In der Ausschreibung stand der schöne Satz „Startgeld ist Reuegeld". Bereut hat es, soweit ich das mitbekommen habe, niemand.
Und weil das hier kein Selbstläufer ist: Ein Turnier mit 88 Startenden baut sich nicht selbst auf, wertet sich nicht selbst aus und räumt sich hinterher auch nicht selbst weg. Es lief ruhig, es lief pünktlich, es lief freundlich. Alle, die dafür ihren Samstag hergegeben haben, wissen selbst, dass sie gemeint sind. Danke.
Was hängen bleibt
Fünfzig Jahre Bogensport im ASC, und dann ein Tag, an dem ein Jahrgang 2018 und ein Jahrgang 1948 auf dieselbe Auflage schießen, an dem einer sechzig Pfeile lang nichts unter der Neun trifft und an dem zwei Kinder aus dem eigenen Training punktgleich enden.
Wenn ich mir eine Zahl von diesem Samstag merke, dann nicht die 584 und nicht die 556. Sondern die 494. Zweimal.
Nächstes Jahr wieder. Und alle ins Gold.
Die vollständige Ergebnisliste steht im Downloadbereich.
Hartmut Stöpler, Fachbereichsleiter Bogensport, ASC Göttingen von 1846 e. V.