ASC · Bogensport GöttingenAnfängerkurs
Entfernung & Wahrnehmung

Das trügerische Augenmaß.

Schätzen ist nicht raten. Auflagengröße und Pflockfarbe grenzen die Distanz ein, das Gelände erklärt den typischen Irrtum, und trainierte Methoden machen aus dem ersten Eindruck eine belastbare Zahl.

Überblick

Bogensportler-Hub

Erst eingrenzen. Dann sehen. Dann prüfen.

Der Leitfaden folgt der Reihenfolge an der Schießlinie: Regelwerk lesen, Wahrnehmungsfehler erkennen und die Distanz mit einer analogen Methode bestimmen.

12 / 24Feldbogenscheiben stehen auf unbekannter Distanz
×4kann eine reale 5-Grad-Steigung im Auge wirken
≤ 20 mbleiben nach der ersten Regelwerkseingrenzung

Leitfaden · Edition 2026

Der komplette Leitfaden als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält alle Schaubilder, Tabellen und Praxisboxen zu Regelwerk, Wahrnehmung und Entfernungsmethoden.

Artikel

01 · Was die Regel verrät

Die erste Eingrenzung

Auflagengröße und Pflockfarbe begrenzen die mögliche Distanz, bevor das Auge überhaupt schätzen muss.

Im Feldbogen gibt es vier Auflagengrößen: 20, 40, 60 und 80 Zentimeter. Für jede Kombination aus Auflage, Bogenklasse und Pflockfarbe legt das Regelwerk einen festen Entfernungsbereich fest.

Aus einer offenen Frage wird damit ein begrenztes Problem. Statt eine beliebige Entfernung zu erraten, muss der Schütze nur noch innerhalb eines Fensters von höchstens 20 Metern entscheiden.

Stehen mehrere Pflöcke an derselben Scheibe, lässt sich der Bereich oft weiter verkleinern. Der Abstand zwischen den Pflöcken liefert zusätzliche Information, die zuverlässiger ist als der erste optische Eindruck.

AuflageBlau · BlankbogenRot · Recurve / Compound
20 cm5 - 10 m10 - 15 m
40 cm10 - 20 m15 - 25 m
60 cm15 - 30 m20 - 35 m
80 cm30 - 45 m35 - 55 m

02 · Wahrnehmung

Drei Räume, ein Auge

Die unbekannten Feldbogendistanzen liegen genau dort, wo das beidäugige Tiefengefühl seine Verlässlichkeit verliert.

Konvergenz der Augen und Krümmung der Linse liefern vor allem auf sehr kurze Entfernung belastbare Tiefeninformation. Dieser Personal Space reicht nur bis ungefähr zwei Meter.

Bis etwa 30 Meter folgt der Action Space, danach der Vista Space. Dort muss das Gehirn indirekte Hinweise auswerten: Textur des Bodens, relative Größe bekannter Objekte und Winkel zum Horizont.

Diese Hinweise sind nützlich, aber störanfällig. Gelände, Licht und Neigung verändern genau die Informationen, auf die sich das Auge bei Distanzen zwischen 10 und 55 Metern verlassen muss.

0 - 2 m

Personal Space

Beidäugige Tiefenhinweise arbeiten noch zuverlässig.

2 - 30 m

Action Space

Indirekte Hinweise übernehmen zunehmend die Entfernungsschätzung.

ab 30 m

Vista Space

Textur, Größenvergleich und Horizontwinkel tragen fast allein.

03 · Wie das Gelände täuscht

Der tote Winkel

Wo der sichtbare Boden unterbrochen ist, fehlt dem Auge ein Stück seiner natürlichen Entfernungsskala.

Gras, Laub und Schotter bilden einen Texturgradienten. Die Strukturen wirken mit zunehmender Entfernung immer dichter, und das Gehirn nutzt diese Veränderung wie eine Skala.

Eine Senke, ein Graben oder dichter Bewuchs unterbricht diese Skala. Das Sehsystem verbindet die sichtbare Fläche davor gedanklich direkt mit der Fläche dahinter und lässt die fehlende Strecke schrumpfen.

Scheiben hinter Bodenwellen oder am Ende einer Lichtung erscheinen deshalb häufig näher, als sie tatsächlich stehen. Der Fehler streut nicht zufällig, sondern hat eine vorhersehbare Richtung.

04 · Wie das Gelände täuscht

Wenn der Hang lügt

Schon kleine Steigungen wirken im Auge deutlich steiler und können die Distanzschätzung mitziehen.

Auf flachem Boden nutzt das Gehirn den Winkel zwischen Horizont und Aufstandspunkt des Ziels. Am Hang trifft diese vertraute Geometrie den Boden nicht mehr an der erwarteten Stelle.

Eine reale Steigung von 5 Grad wird im Mittel ungefähr wie 20 Grad wahrgenommen, eine Steigung von 10 Grad ungefähr wie 30 Grad. Der Effekt betrifft geübte und ungeübte Schützen.

Erschöpfung, schwere Ausrüstung sowie Licht und Schatten können die Wahrnehmung zusätzlich verschieben. Besonders spät im Wettkampftag verdient das Bauchgefühl am Hang deshalb eine zweite Prüfung.

real 5°

wirkt wie etwa 20°

Eine kleine Steigung erscheint ungefähr viermal so stark.

real 10°

wirkt wie etwa 30°

Auch größere Hänge werden deutlich überschätzt.

Leitfaden · Edition 2026

Der komplette Leitfaden als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält alle Schaubilder, Tabellen und Praxisboxen zu Regelwerk, Wahrnehmung und Entfernungsmethoden.

05 · Was der Schütze tut

Der Strahlensatz am Bogen

Ein fester Punkt am Bogen wird zur persönlichen Messreferenz, weil sein Abstand zum Auge im Vollauszug gleich bleibt.

Button, Visierring, Pfeilschaft oder der Rand des Bogenfensters erscheinen je nach Entfernung unterschiedlich groß im Verhältnis zur Auflage. Dahinter steht einfache Geometrie.

Die Referenz wird auf einer bekannten Distanz kalibriert. Verdeckt sie auf 40 Metern genau die halbe Höhe einer 80-Zentimeter-Auflage, lassen sich spätere Abweichungen über die Ringbreite in Meter übersetzen.

Das Maß gehört immer zum eigenen Auszug und zum eigenen Zielbild. Werte anderer Schützen sind deshalb nur Startpunkte, keine fertige Tabelle.

06 · Was der Schütze tut

Bracketing, Halbieren, Hören

Keine einzelne Methode ist unfehlbar. Belastbar wird die Zahl durch Eingrenzung und eine unabhängige Gegenprobe.

Bracketing beginnt mit der sicheren Unter- und Obergrenze des Regelwerks. Der Mittelwert dieses Bereichs ist ein robuster Startwert, weil er nie außerhalb des zulässigen Fensters liegt.

Beim Halbieren wird ein markanter Punkt auf halber Strecke geschätzt und die Distanz verdoppelt. Parallaxe, regelmäßige Baumabstände und die Zeit zwischen Lösen und Einschlag können weitere Hinweise liefern.

Die stärkste Reihenfolge lautet: Regelwerk eingrenzen, mit einer trainierten Methode verfeinern und mit einem zweiten Hinweis gegenprüfen.

MethodePrinzipEignung
BracketingMittelwert aus den Regelwerksgrenzenüberall sofort verfügbar
HalbierenMittelpunkt schätzen und verdoppelnmarkanter Punkt nötig
ParallaxeVerschiebung eines Zwischenobjekts beobachtenZwischenobjekt nötig
Baumreihebekannten Pflanzabstand abzählenregelmäßige Bepflanzung nötig
HörenZeit zwischen Lösen und Einschlag vergleichennur als Kontrolle

07 · Was der Schütze tut

Der kalkulierte Fehler

Bleibt ein Rest Unsicherheit, ist ein bewusst begrenzter Fehler besser als eine zufällige Korrektur.

Der Leitfaden empfiehlt, den ersten Eindruck nicht ohne neuen Hinweis zu verwerfen. Später Zweifel allein ist noch kein besserer Messwert.

Zwischen zwei plausiblen Distanzen lässt sich die größere einstellen und der erste Pfeil bewusst tiefer im Wertungsbereich ansetzen. So wird aus einem idealen Trefferpunkt ein sicherer vertikaler Korridor.

Das ersetzt keine saubere Schätzung. Es begrenzt aber die Folgen einer verbleibenden Unsicherheit und macht die Entscheidung an der Schießlinie nachvollziehbar.

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ASC Göttingen · Feldbogenwissen

Man schätzt die Entfernung nicht - man grenzt sie ein.

Die Webfassung bündelt die Methode. Das PDF enthält den vollständigen Leitfaden mit Diagrammen, Tabellen und Hinweisen für die Schießlinie.