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Technik · Wurfarme

Der arbeitende Wurfarm.

Wie Recurve-Wurfarme Energie speichern, zurückgeben und sich verschieden anfühlen - und was davon für Training und Auswahl wirklich zählt.

Überblick

Technik-Hub

Der Wurfarm ist kein Zubehör.

Zuggewicht allein sagt wenig. Kraftkurve, bewegte Masse, Verwindungssteifigkeit und Restenergie bestimmen gemeinsam, wie ein Wurfarm arbeitet und sich im Schuss anfühlt.

1Kurve beschreibt die gespeicherte Arbeit
2Wege: Energie geht in Pfeil oder Bogen
0Materialnamen ersetzen den Vergleich

Leitfaden · Edition 2026

Der vollständige Leitfaden als PDF.

14 Seiten mit acht Kapiteln, Schaubildern, Vergleichstabelle, Praxisboxen und fachlichen Quellen.

Artikel

01 · Arbeit

Die Fläche unter der Kurve

Das Zuggewicht am Anker ist nur ein Punkt. Gespeicherte Arbeit entsteht über den gesamten Auszugsweg.

Wenn Du einen Bogen ausziehst, verrichtest Du Arbeit. Der Wurfarm nimmt diese Arbeit auf, indem er sich biegt. Wie viel Energie dabei gespeichert wird, zeigt die Fläche unter der Kraft-Auszugs-Kurve.

Zwei Wurfarme können am Klicker dasselbe Zuggewicht zeigen und trotzdem unterschiedlich viel Energie speichern. Baut ein Wurfarm seine Kraft früher auf, liegt über den gesamten Auszug mehr Arbeit im System.

Die Kurve beschreibt auch das Bewegungsgefühl. Ein starker Kraftanstieg kurz vor dem Klicker macht kleine Längenunterschiede deutlicher. Ein gleichmäßiger Verlauf kann ruhiger wirken, darf aber das klare Feedback beim Durchziehen nicht verlieren.

02 · Geometrie

Der Recurve verändert den Hebel

Der gebogene Wurfarmkopf verändert beim Auszug den Kontaktpunkt zur Sehne - und damit den wirksamen Hebel.

Beim Working-Recurve liegt die Sehne im gespannten Zustand an einem Teil des Wurfarms an. Während des Auszugs löst sie sich Stück für Stück davon. Gleichzeitig verändern sich Biegung und Richtung der Sehnenkraft.

Geometrie formt dadurch die Kraft-Auszugs-Kurve. Stärker ausgeprägte Recurves können die Kraft früher aufbauen und den späteren Anstieg verändern.

Eine spektakuläre Kurve ist trotzdem kein Qualitätsversprechen. Erst Material, Masse, Fertigung und die Passung zu Deiner Auszugslänge machen aus der Geometrie einen guten Wurfarm.

03 · Energie

Leichte Teile, schwerer Pfeil

Beim Schuss wird nicht nur der Pfeil beschleunigt. Auch Wurfarme und Sehne brauchen Energie.

Die virtuelle Masse fasst zusammen, wie viel Bewegungsenergie in den Teilen des Bogens steckt, wenn der Pfeil die Sehne verlässt. Masse nahe an den Wurfarmspitzen wirkt besonders stark, weil sie sich schnell bewegt.

Leichte Wurfarme und Tips können deshalb die Energieübertragung verbessern. Mit einem schwereren Pfeil steigt häufig der Wirkungsgrad, weil dessen Masse im Verhältnis zur bewegten Masse des Bogens größer wird.

Wirkungsgrad und Geschwindigkeit sind nicht dasselbe. Ein schwererer Pfeil kann einen größeren Anteil der gespeicherten Arbeit aufnehmen und trotzdem langsamer fliegen.

nützlich

Pfeil

Der Anteil der gespeicherten Arbeit, der den Pfeil beschleunigt.

spürbar

Bogen

Bewegung und Schwingung in Wurfarmen, Sehne und Mittelteil.

Wärme und Schall

Verlust

Innere Reibung und Restenergie, die nicht im Pfeil ankommt.

04 · Energie

Was im Bogen zurückbleibt

Nicht jede gespeicherte Arbeit wird zu Pfeilenergie. Restenergie bleibt als Bewegung, Wärme, Schall und Vibration.

Ein Teil der Arbeit beschleunigt Wurfarme und Sehne. Ein weiterer Teil wird durch innere Reibung im Material in Wärme umgewandelt. Nach dem Pfeilabgang bleibt Bewegung im System zurück.

Diese innere Reibung heißt Hysterese. Bei Verbundwerkstoffen hängt sie nicht nur vom Kern ab, sondern vom gesamten Aufbau aus Fasern, Harz, Klebung, Geometrie und Fertigungsqualität.

Das Schussgefühl ist deshalb ein Hinweis, aber kein vollständiges Messgerät. Erst der Vergleich unter gleichen Bedingungen trennt Eindruck und Ursache.

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05 · Material

Kern, Laminat und Schussgefühl

Ein moderner Wurfarm ist ein Verbund. Kein einzelner Materialname erklärt, wie das vollständige System schießt.

Die äußeren Faserlagen tragen einen großen Teil der Zug- und Druckspannungen. Der Kern hält diese Lagen auf Abstand, nimmt Scherkräfte auf und prägt Masse sowie Dämpfung.

Holzkerne können sich ruhig und gedämpft anfühlen. Schaumkerne können leicht und gleichmäßig sein. Carbonlagen können hohe Steifigkeit bei geringer Masse ermöglichen. Das sind Tendenzen, keine Garantien.

Die bessere Frage lautet deshalb nicht Holz oder Schaum. Entscheidend ist, wie sich das konkrete Wurfarmpaar in Deinem Mittelteil, bei Deiner Auszugslänge und mit Deinem Pfeil verhält.

06 · Stabilität

Steif in der richtigen Richtung

In Schussrichtung soll der Wurfarm arbeiten. Seitlicher Verdrehung soll er möglichst wenig nachgeben.

Beim Fingerlösen geht die Sehne nicht vollkommen gerade nach vorn. Pfeilbiegung, Griffdruck und kleine Ausrichtungsfehler belasten das System zusätzlich seitlich.

Ein verwindungssteifer Wurfarm hält die Sehnenbahn unter solchen Belastungen besser in ihrer vorgesehenen Ebene. Das kann Wiederholbarkeit unterstützen.

Torsionssteifigkeit macht einen unsauberen Ablass nicht sauber. Bei seitlicher Streuung gehören Ablass, Bogenhand, Button, Pfeil und Zentrierung zuerst auf den Prüfstand.

07 · Auswahl

Wurfarme fair vergleichen

Ein brauchbarer Vergleich hält die Bedingungen gleich und verändert nur eine Variable.

Schon eine andere Sehne, Standhöhe oder Pfeilmasse kann Klang, Geschwindigkeit und Schussgefühl stärker verändern als das Wurfarmpaar selbst.

Stelle beide Paare auf dasselbe Zuggewicht am Klicker, denselben Tiller und dieselbe Zentrierung ein. Schieße genug Pfeile, damit nicht der erste Eindruck allein entscheidet.

Die schnellste Lösung ist nicht automatisch die beste. Ein Wurfarm muss zu Deinem Bewegungsablauf passen und über viele Pfeile wiederholbar bleiben.

SchrittKonstant haltenBeobachten
1 · AufbauMittelteil, Sehne, Nockpunkt, Button, PfeilPassung, Zentrierung, sichtbare Qualität
2 · EinstellungZuggewicht am Klicker, Tiller, StandhöheKraftgefühl im letzten Teil des Auszugs
3 · Einschießengleiche Technik und EntfernungKlang, Vibration, Stabilität des Visierbilds
4 · Messengleiche Pfeilmasse und MessmethodeGeschwindigkeit als ein Wert unter mehreren
5 · Entscheidenmehrere Serien, nicht nur drei PfeileWiederholbarkeit, Ermüdung, Vertrauen

08 · Training

Was Trainer:innen beobachten

Material und Technik werden gemeinsam geprüft. Die Aufgabe ist nicht, schnell eine Ursache zu benennen, sondern Veränderungen zu isolieren.

Wird der letzte Zentimeter vor dem Klicker sichtbar langsamer? Bricht die Linie zusammen? Ein hoher Kraftanstieg kann die Bewegung erschweren, eine unstete Rückenspannung kann denselben Eindruck erzeugen.

Dokumentiere Standhöhe, Tiller, Zuggewicht am Klicker, Sehne und Pfeilmasse. Prüfe Wurfarme paarweise auf Risse, Delamination, verdrehte Tips und ungewöhnliche Spuren an der Sehnenlage.

Bei sichtbaren Schäden, ungewöhnlicher Verformung oder einem plötzlich veränderten Geräusch gilt: Training stoppen, Bogen entspannen und das Material fachkundig prüfen lassen.

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ASC Göttingen · Technische Grundlagen

Passung schlägt Mythos.

Der richtige Wurfarm passt zu Auszug, Pfeil, Technik und Trainingsalltag. Das PDF enthält den vollständigen Leitfaden mit allen Schaubildern, Tabellen und Quellen.