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Technik · Wurfarme

Die federnden Arme.

Wurfarme speichern, was Muskeln geleistet haben - und geben es in Millisekunden ab. Ein technischer Leitfaden über Energetik, Werkstoff und Geometrie der wichtigsten Bauteile des Recurvebogens.

Überblick

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Gute Wurfarme sind nicht nur schnell. Sie reagieren gleich.

Der Leitfaden ordnet die drei großen Entscheidungen: Energiespeicherung, Materialaufbau und Schnittstelle zum Mittelteil. Daraus wird Materialwahl, nicht Markenraten.

≈80 %typischer Wirkungsgrad moderner Recurvebögen
2Kern-Philosophien: Holz oder Schaum
2dominante Systeme: ILF und Formula

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Tabellen und Praxisboxen zu Energetik, Werkstoff und Geometrie der Wurfarme.

Artikel

01 · Physik

Der Wurfarm als Energiespeicher

Der Recurvebogen verwandelt langsame Muskelarbeit in schnelle Pfeilbeschleunigung.

Zieht der Schütze den Bogen aus, verrichtet er Arbeit. Diese Arbeit wird als elastische Spannung in den Wurfarmen gespeichert. Die Fläche unter der Kraft-Auszugs-Kurve zeigt, wie viel Energie dem Pfeil maximal zur Verfügung steht.

Konventionelle Wurfarme verhalten sich über weite Teile wie lineare Federn. Kurz vor dem Vollauszug kann Stacking einsetzen: Die Zugkraft steigt überproportional, ohne dass daraus noch sinnvoll mehr Biegearbeit entsteht.

Der Recurve ist dem einfachen Langbogen energetisch überlegen, weil seine gebogenen Wurfarmenden beim Auszug abrollen. Diese Geometrie macht die Kraft-Auszugs-Kurve energiereicher und den Auszug bis zur Klickerzone kontrollierbarer.

Energie

Kraft-Auszugs-Kurve

Die Fläche unter der Kurve ist die Energie, die der Pfeil maximal bekommen kann.

Klickerzone

Stacking

Überproportionaler Kraftanstieg macht sauberes Passieren schwerer.

Geometrie

Working Recurve

Das Abrollen der Wurfarmenden erhöht die gespeicherte Energie.

02 · Physik

Die virtuelle Masse

Nicht jede gespeicherte Energie landet im Pfeil. Ein Teil beschleunigt Wurfarm und Sehne.

Die virtuelle Masse beschreibt eine fiktive Punktmasse, die mit Pfeilgeschwindigkeit dieselbe Bewegungsenergie hätte wie alle beweglichen Bogenteile zusammen.

Je kleiner diese virtuelle Masse ist, desto effizienter wird der Bogen. Jedes Gramm an Wurfarmspitzen und Sehne zählt besonders, weil diese Teile im Schuss sehr schnell bewegt werden.

Die Formel erklärt auch den Leerschuss. Ohne Pfeil gibt es keine Pfeilmasse, die Energie aufnehmen kann. Die gesamte gespeicherte Energie wirkt auf Bogen, Wurfarme und Sehne zurück.

03 · Physik

Wenn Energie zu Wärme wird

Jeder reale Wurfarm verliert Energie durch innere Reibung. Das nennt sich Hysterese.

Beim Biegen gleiten Fasern und Polymerstrukturen im Material minimal gegeneinander. Diese Bewegung erzeugt Wärme, und Wärme ist mechanisch verlorene Energie.

Moderne Carbon- und Schaumkonstruktionen senken diesen Verlust deutlich, eliminieren ihn aber nicht. Reale olympische Recurvebögen liegen typischerweise im Bereich von etwa 73 bis 80 Prozent Wirkungsgrad.

Auch lange Haltezeiten wirken materialphysikalisch. Unter statischer Last sinkt die Rückstellspannung messbar. Ein flüssiger, konsequenter Ablauf ist deshalb nicht nur mental und technisch, sondern auch ballistisch sinnvoll.

04 · Werkstoff

Holz oder Schaum

Der Kern entscheidet nicht allein über Leistung, aber er prägt Masse, Dämpfung und Klimaverhalten.

Holzkerne aus Ahorn, Bambus oder Hartholzlaminaten sind schwerer und erhöhen damit tendenziell die virtuelle Masse. Dafür dämpfen sie Vibrationen sehr gut und fühlen sich oft ruhiger an.

Schaumkerne sind deutlich leichter und klimastabil. Sie erhöhen die Energieeffizienz und bleiben bei Hitze oder Regen berechenbar, übertragen Vibrationen aber direkter in Mittelteil und Hand.

Der Schaum selbst ist nicht die Feder. Er hält die Carbonlagen auf Abstand. Die eigentliche Federwirkung kommt aus den Laminaten um den Kern.

EigenschaftHolzkernSchaumkern
Dichte / virtuelle Massehöher - kostet Geschwindigkeitgering - bessere Energieeffizienz
Vibrationsdämpfungsehr gut - ruhiges Gefühlgering - Vibration direkter spürbar
Klimastabilitätreagiert auf Feuchte und Temperaturstabil bei Hitze und Nässe
Typischer EinsatzTraining, Halle, gelenkschonendes GefühlOutdoor, Feldbogen, Leistungssport

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Tabellen und Praxisboxen zu Energetik, Werkstoff und Geometrie der Wurfarme.

05 · Werkstoff

Laminat und Torsion

Die äußeren Carbonlagen sind das eigentliche Triebwerk - und sie bestimmen, wie stark der Wurfarm seitlich nachgibt.

Carbonfaserverstärkte Laminate haben Glasfaser in der Spitzenklasse weitgehend verdrängt: weniger Masse bei hoher Zugfestigkeit bedeutet geringere virtuelle Masse und höhere Pfeilgeschwindigkeit.

Mindestens genauso wichtig ist Torsionssteifigkeit. Sie beschreibt, wie stark sich ein Wurfarm unter seitlicher Last verdreht. Beim Fingerlösen entsteht genau so eine seitliche Belastung.

Ein verwindungssteifer Wurfarm zwingt die Sehne schneller zurück in die Mittellinie. Das macht Ablassfehler nicht egal, aber es reduziert, wie stark der Bogen sie in Streuung übersetzt.

06 · Schnittstelle

ILF und Formula

Die Verbindung zum Mittelteil bestimmt, wo im System die Kräfte wirken.

ILF ist das offene Ökosystem: Schwalbenschwanzführung, Tillerbolzen und Kompatibilität über viele Hersteller hinweg. Für Verein, Nachwuchs und Materialwechsel ist das ein großer praktischer Vorteil.

Formula verlängert den Hebelarm zwischen Aufnahme und Lastpunkt. Dadurch wandert der Biegepunkt weiter nach außen, und die Materialspannung im Übergang kann sinken. Das Auszugsgefühl wird häufig weicher beschrieben.

Der Preis ist Bindung. Formula-Wurfarme passen nicht auf ILF-Mittelteile. Wer Formula kauft, entscheidet sich stärker für ein System als für ein austauschbares Einzelteil.

offen

ILF

Große Auswahl, viele Hersteller, niedrige Einstiegskosten und gute Wechselbarkeit.

längerer Hebel

Formula

Weicheres Auszugsgefühl und geringere Spannung im Übergang, aber Systembindung.

extreme Kurve

Super-Recurve

Viel Energie und flacher Vollauszug, stark für visierlose Setups ohne Klicker.

07 · Geometrie

Super-Recurves

Extreme Recurve-Geometrien speichern viel Energie, passen aber nicht zu jedem Schießsystem.

Super-Recurves biegen ihre Enden im ungespannten Zustand stark zurück. Die Sehne liegt lange an, der Bogen baut früh Kraft auf und die Kurve flacht im Vollauszug ab.

Das kann bei gleichem Endgewicht mehr gespeicherte Energie liefern und macht kleine Auszugsschwankungen weniger kraftwirksam. Deshalb sind solche Designs besonders für Blankbogen und Feldbogen interessant.

Im olympischen Recurve bleibt die Geometrie ein Randphänomen, weil der Klicker eine spürbare, kontrollierbare Zone braucht. Ein sehr weiches Ankerverhalten passt nicht immer zu präzisem Klicker-Timing.

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ASC Göttingen · Technische Grundlagen

Energie verstehen, bevor Du Material vergleichst.

Die Webfassung bündelt die wichtigsten Entscheidungen. Das PDF enthält den vollständigen Leitfaden mit Schaubildern, Tabellen und Praxisboxen für Trainer:innen und Schütz:innen.