ASC · Bogensport GöttingenAnfängerkurs
Technik · Klicker

Der letzte Millimeter.

Der Klicker macht im olympischen Recurve aus Auszugslänge, Timing und mentalem Druck ein hörbares Signal. Ein Leitfaden über Ballistik, Körperarbeit, Goldangst und den richtigen Zeitpunkt der Einführung.

Überblick

Technik-Hub

Der Klicker misst nicht den Treffer. Er misst die Vorbereitung.

Der Leitfaden ordnet den Klicker als technische und mentale Schnittstelle: Er standardisiert den letzten Millimeter, nimmt den bewussten Lösebefehl zurück und macht Fehler im Ablauf sichtbar.

1957Jahr der Klicker-Erfindung
16 cmTiefschuss auf 70 m bei fünf Millimeter Auszugsverlust
163 mstypische Klicker-Reaktion bei sauberer Zugrichtung

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Tabellen und Praxisboxen zu Auszugskontrolle, Klicker-Reaktion, Goldangst und Materialwahl.

Artikel

01 · Ursprung

1957: Ein Stück Federstahl

Der Klicker ist klein. Seine Wirkung auf den olympischen Recurve ist groß.

Der Klicker entstand als einfache Antwort auf ein präzises Problem: Der Pfeil soll immer aus derselben Auszugslänge starten. Ein dünnes Federblech liegt auf dem Pfeil und springt hörbar gegen das Mittelteil, sobald die Spitze es passiert.

Damit wird der letzte Millimeter nicht geschätzt, sondern markiert. Der Schuss bekommt ein äußeres Signal, das den bewussten Befehl zum Lösen ersetzt oder zumindest deutlich nach hinten drängt.

Im olympischen Recurve ist der Klicker deshalb kein Komfortteil. Er ist die Schnittstelle zwischen Geometrie, Körper und Timing.

Geometrie

Auszugslänge

Der Pfeil verlässt den Bogen aus derselben Länge, nicht aus ungefähr derselben Haltung.

Rhythmus

Timing

Der Klick markiert das Ende der Expansion und schützt vor endlosem Halten.

Reflex

Löseimpuls

Der bewusste Befehl tritt zurück. Der Schuss folgt einem äußeren Signal.

02 · Ballistik

Ballistik des letzten Millimeters

Ein Zentimeter mehr oder weniger Auszug ist auf 70 Meter keine Kleinigkeit.

Mehr Auszug speichert mehr Energie. Weniger Auszug nimmt Energie weg. Schon fünf Millimeter Verlust können die Pfeilgeschwindigkeit spürbar senken und den Treffer auf 70 Meter deutlich nach unten verschieben.

Der Klicker verhindert diese stillen Längenfehler. Er sorgt nicht dafür, dass der Schuss gut wird. Er sorgt dafür, dass jeder gute und jeder schlechte Schuss von derselben Auszugslänge ausgeht.

Genau deshalb ist er ein Diagnosewerkzeug. Wenn der Klicker spät, früh oder gar nicht kommt, zeigt er nicht nur ein Materialproblem, sondern meist eine Veränderung in Haltung, Spannung oder Rhythmus.

03 · Körper

Klick und Körper

Der Klicker funktioniert nur, wenn der Körper weiter arbeitet, während das Ziel ruhig bleibt.

Im Vollauszug dürfen Schütz:innen nicht auf das Blech warten. Die Expansion läuft weiter: Schulterblatt, Rücken und Zugrichtung tragen den Pfeil durch den letzten Millimeter.

Studien zur mechanischen Klicker-Reaktion zeigen, dass die Art des Auszugs zählt. Wer im Vollauszug nur direkt nach hinten drückt, reagiert langsamer und uneinheitlicher. Eine klare Zugrichtung von oben oder unten in die Klickerzone ist messbar stabiler.

Für die Praxis heißt das: Der Klicker ist kein Stoppzeichen. Er ist das Ergebnis einer Bewegung, die ohnehin schon sauber läuft.

ZugmusterReaktionBedeutung
Direkter Zug304 ± 149 mslangsam und stark schwankend
Zug von oben161 ± 34 msschnell und gleichmäßiger
Zug von unten163 ± 22 msschnell und sehr stabil

04 · Mental

Goldangst und der Schaltkreisunterbrecher

Der Klicker kann helfen, wenn das Gold den Lösebefehl übernimmt.

Scheibenpanik entsteht oft dort, wo Zielbild und Lösebefehl falsch gekoppelt werden. Sobald das Visier ins Gold wandert, feuert der Körper zu früh oder blockiert vollständig.

Der Klicker unterbricht diesen Schaltkreis. Nicht das Erscheinen des Goldes entscheidet, sondern das äußere Signal am Ende einer weiterlaufenden Expansion.

Das macht den Klicker nicht zur Therapie allein. Aber er kann den Schuss aus dem bewussten Jetzt-Befehl herausnehmen und wieder in einen vorbereiteten Reflex legen.

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Tabellen und Praxisboxen zu Auszugskontrolle, Klicker-Reaktion, Goldangst und Materialwahl.

05 · Risiko

Wenn der Klicker selbst zur Angst wird

Das Werkzeug, das Druck lösen soll, kann selbst Druck erzeugen.

Clicker Panic zeigt sich, wenn Schütz:innen am Klicker einfrieren, hektisch ziehen oder jedes Ausbleiben des Klicks als Scheitern erleben. Dann wird der letzte Millimeter zum eigenen Ziel.

Der Weg zurück beginnt mit weniger Ergebnis. Blindschießen, kurze Distanz, leere Scheibe und klare Let-Down-Regeln nehmen dem Klicker seine Drohung.

Wichtig ist die Erlaubnis abzusetzen. Wer jeden Versuch retten will, trainiert genau den Kampf, aus dem er herauskommen möchte.

Zielreiz senken

Blindschießen

Kurze Distanz, leere Scheibe, keine Ringwertung. Der Ablauf kommt vor dem Treffer.

Druck lösen

Let-Down

Wenn der Klicker nicht sauber kommt, wird abgesetzt. Das ist Training, kein Fehler.

Reiz entladen

Signal reduzieren

Leiser Klicker oder Gehörschutz können helfen, wenn das Geräusch selbst triggert.

06 · Material

Klingen, Stärken, Magnete

Klicker unterscheiden sich nicht in Magie, sondern in Signal, Weg und Einstellbarkeit.

Der Standardklicker am Bogenfenster ist leicht, direkt und zuverlässig. Visiermontierte Klicker geben mehr Längenreserve bei langen Pfeilen. Magnetklicker trennen Haltegefühl und Rücksprung sauberer.

Auch die Klingenstärke zählt. Sehr dünne Klingen klicken leise und weich, können aber zu wenig Rückmeldung geben. Sehr starke Klingen sind deutlich, aber nicht für jede Zugtechnik angenehm.

Für viele Schütz:innen ist eine mittlere Klinge um 0,25 Millimeter ein vernünftiger Startpunkt. Danach entscheidet nicht der Katalog, sondern ob der Klick zuverlässig, hörbar und ohne Zugkampf kommt.

BauartStärkeGrenzeEinsatz
Bogenfensterdirekt, leicht, robustbraucht passende PfeillängeStandard im olympischen Recurve
Visiermontiertgroßer Verstellwegmehr Bauteile am Visierlange Pfeile, Aufbauphase
Magnetklarer Rücksprungmehr Setup-Aufwandfeines Signal, konstantes Material
Wurfarmfunktioniert ohne Pfeilspitze am Fensteranderes Timing-Gefühltraditionelle oder spezielle Setups

07 · Training

Wann der Klicker kommt

Zu früh eingeführt stört der Klicker. Zu spät fehlt ein wichtiges Feedback.

Ein Klicker gehört erst an den Bogen, wenn Anker, Rückenspannung und Auszugslänge wiederholbar genug sind. Vorher markiert er Zufall und macht Anfänger:innen unnötig eng.

Als grobe Orientierung passen drei bis sechs Monate regelmäßiges Training. Entscheidend ist nicht der Kalender, sondern ob der Schuss ohne Klicker schon ruhig durch den Anker läuft.

Die Einführung beginnt nah, langsam und mit vielen guten Absetzern. Der Klicker soll nicht den Schuss retten. Er soll einen bereits ordentlichen Ablauf präziser machen.

stabil

Anker

Der Kontakt im Gesicht ist natürlich und ohne Suchen reproduzierbar.

aktiv

Rücken

Die Expansion kommt aus Schulterblatt und Zugrichtung, nicht aus einem letzten Fingerziehen.

erlaubt

Absetzen

Du kannst einen Schuss abbrechen, ohne ihn als Niederlage zu behandeln.

Download

ASC Göttingen · Technische Grundlagen

Der Klick entscheidet nicht. Er ordnet.

Die Webfassung bündelt die wichtigsten Entscheidungen. Das PDF enthält den vollständigen Leitfaden mit Schaubildern, Tabellen und Praxisboxen für Trainer:innen und Schütz:innen.