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Technik · Sehne

Das Singen der Sehne.

Wie die Bogensehne schwingt, wie sie den Pfeil formt - und wie Du sie abstimmst. Ein technischer Leitfaden über Wellenphysik, Archer's Paradox, Lösevorgang, Sehnenmaterialien, Standhöhe und Wartung.

Überblick

Technik-Hub

Die Sehne überträgt Kraft - und sie setzt Schwingung.

In den ersten Millisekunden entscheidet sich viel: wie ruhig die Sehne freigegeben wird, welche Kräfte am Nock wirken und ob Standhöhe, Material und Nockpunkt zusammenpassen.

100-200 Hzschnelle Eigenschwingung der Sehne
15-25 mstypisches Zeitfenster des Fingerlösens
8,5-9,5 Zolltypisches Standhöhen-Fenster beim Recurve

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Tabellen und den vollständigen dreiphasigen Tuning-Ansatz zur Bogensehne.

Artikel

01 · Schwingung

Die Sehne als Saite

Die Bogensehne ist kein passives Seil. Sie ist ein gespanntes, schnell schwingendes System.

In erster Näherung verhält sich die Sehne wie eine Saite, die zwischen den Wurfarmspitzen eingespannt ist. Spannung, Länge und Masse bestimmen, wie schnell sich Wellen auf ihr ausbreiten und wie hoch ihre Eigenfrequenz liegt.

Für eine typische Recurve-Sehne liegen die schnellen Eigenschwingungen grob im Bereich von 100 bis 200 Hertz. Das ist das kurze, hörbare Twang direkt nach dem Schuss - nicht das langsamere Wackeln von Bogenhand oder Wurfarmen.

Drei Frequenzwelten müssen getrennt bleiben: Muskel- und Handtremor vor dem Schuss, Sehnenschwingung nach dem Lösen und die langsamere Bewegung des gesamten Bogensystems. Wer sie vermischt, stimmt am falschen Problem.

02 · Pfeilflug

Teil des Archer's Paradox

Die Sehne schiebt den Pfeil nicht nur nach vorn. Sie setzt auch seitliche und vertikale Anfangsbedingungen.

Beim Archer's Paradox biegt sich der Pfeil während der Beschleunigung seitlich um den Bogen. Die Sehne ist daran beteiligt, weil ihr Kraftvektor am Nock nicht völlig ruhig in Schussrichtung zeigt.

Neben der großen Vorschubkraft entstehen kleine Quer- und Vertikalkräfte. Sie reichen aus, um die Anfangsrichtung und die Pfeilschwingung zu beeinflussen, besonders wenn Lösen, Nockpunkt oder Standhöhe nicht stabil sind.

Auch die vertikale Komponente zählt. Die Nockpunktüberhöhung gleicht die asymmetrische Krafteinleitung beim Fingerlösen aus und steuert mit, wie ruhig der Pfeil den Bogen verlässt.

03 · Ablass

Der Lösevorgang als Quelle

Die wichtigste Anregung der Sehnenschwingung kommt nicht aus dem Material, sondern aus dem Lösen.

Beim mediterranen Griff liegen ein Finger über und zwei Finger unter dem Pfeil. Beim Lösen rollen sie nicht exakt gleichzeitig von der Sehne. Dadurch entstehen kleine Drehmomente und wechselnde Anfangsbedingungen am Nock.

Dieser Vorgang überlappt zeitlich mit der Pfeilbeschleunigung. Die Finger berühren die Sehne also noch in einer Phase, in der der Pfeil seine Richtung und Schwingung aufnimmt.

Darum beginnt gutes Sehnentuning nicht an der Standhöhe, sondern am Ablass. Ein entspannter, wiederholbarer Lösevorgang über Rückenspannung erzeugt gleichmäßigere Sehnenschwingungen als jede Materialkorrektur.

04 · Material

Dehnung, Dämpfung, Masse

Das Sehnenmaterial entscheidet über Tempo, Nachschwingen, Schonung des Bogens und Tuning-Anspruch.

Dacron dehnt stärker und dämpft gut. Das macht es schonend für traditionelle Bögen und ältere Tips, aber langsamer. Moderne HMPE-Fasern wie Dyneema sind schneller und dehnungsärmer, schwingen aber länger nach und verlangen saubereres Tuning.

HMPE/Vectran-Mischungen sind noch dehnungsärmer und werden im leistungsorientierten Recurve- und Compoundbereich genutzt. Sie sind präzise, aber weniger gutmütig gegenüber unsauberem Lösen oder schlechter Abstimmung.

Neben dem Material zählen Strangzahl, Mittenwicklung, Nockpassung, Sehnenlänge und Eindrehung. Mehr Stränge bedeuten mehr Masse, tiefere Frequenz und meist etwas weniger Geschwindigkeit - dafür oft besseren Nocksitz.

MaterialDehnungDämpfungAnwendung
Dacron (B-50)2-4 %hochtraditionelle Bögen, nicht verstärkte Tips
HMPE / Dyneema1-2 %geringmoderne Recurve- und Compound-Bögen
HMPE / Vectran< 1 %moderatleistungsorientierte Recurve- und Compound-Setups

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Tabellen und den vollständigen dreiphasigen Tuning-Ansatz zur Bogensehne.

05 · Tuning

Robust vor optimal

Die beste Sehne ist nicht die schnellste, sondern die, die unter normalen Bedingungen gleich bleibt.

Die Abstimmung läuft sinnvoll in drei Phasen: Grundkonfiguration wählen, Mechanik sauber einstellen und anschließend über die Standhöhe feinjustieren.

Zur Grundkonfiguration gehören Material, Strangzahl und passende Sehnenlänge. Die mechanische Phase prüft Mittenwicklung, Nockpassung und Nockpunkt. Erst danach kommt die Standhöhe als Timing-Schraube.

Standhöhe wird über Eindrehungen verändert. Mehr Eindrehungen verkürzen die Sehne und erhöhen die Standhöhe, weniger senken sie. Geändert wird nur eine Größe auf einmal, danach wird ein ganzes Ende geschossen und dokumentiert.

Phase 1

Grundkonfiguration

Material, Strangzahl und Sehnenlänge passend zu Bogen, Tips und Nocke wählen.

Phase 2

Mechanik

Mittenwicklung, Nockpassung und Nockpunkt prüfen, bevor an Timing gearbeitet wird.

Phase 3

Standhöhe

In kleinen Schritten eindrehen, Gruppe, Geräusch und Pfeilflug beobachten und notieren.

06 · Wartung

Kontrollieren, bevor es kritisch wird

Sehnen verändern sich mit Temperatur, Einschießen, Verschleiß und Nockpassung. Das gehört in die Routine.

Bei deutlichen Temperatursprüngen kann sich die Standhöhe verändern, besonders bei modernen Kunstfasern. Der Wechsel von Halle zu heißem Sommerturnier ist ein guter Moment für eine kurze Kontrolle.

Eine neue Sehne setzt sich in den ersten Schüssen. Wer sie direkt vor einem wichtigen Wettkampf montiert, bekommt unnötige Veränderung in das System. Besser ist: rechtzeitig einschießen, messen, nachkontrollieren.

Austausch ist spätestens bei sichtbaren Schäden, Ausfransungen oder veränderter Nockpassung nötig. Je nach Material und Belastung ist ein Wechsel nach einigen tausend Schuss normal - lieber geplant als durch einen Riss im Schuss.

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ASC Göttingen · Technische Grundlagen

Robustheit schlägt Maximaltempo.

Die Webfassung bündelt die wichtigsten Entscheidungen. Das PDF enthält den vollständigen Leitfaden mit Schaubildern, Tabellen und Tuning-Logik für die Schießlinie.