01 · Schwingung
Die Sehne als Saite
Die Bogensehne ist kein passives Seil. Sie ist ein gespanntes, schnell schwingendes System.
In erster Näherung verhält sich die Sehne wie eine Saite, die zwischen den Wurfarmspitzen eingespannt ist. Spannung, Länge und Masse bestimmen, wie schnell sich Wellen auf ihr ausbreiten und wie hoch ihre Eigenfrequenz liegt.
Für eine typische Recurve-Sehne liegen die schnellen Eigenschwingungen grob im Bereich von 100 bis 200 Hertz. Das ist das kurze, hörbare Twang direkt nach dem Schuss - nicht das langsamere Wackeln von Bogenhand oder Wurfarmen.
Drei Frequenzwelten müssen getrennt bleiben: Muskel- und Handtremor vor dem Schuss, Sehnenschwingung nach dem Lösen und die langsamere Bewegung des gesamten Bogensystems. Wer sie vermischt, stimmt am falschen Problem.