ASC · Bogensport GöttingenAnfängerkurs
Technik · Pfeilauflage

Die Kunst des Freigangs.

Was eine Pfeilauflage wirklich tut - und warum ihre wichtigste Eigenschaft ist, im rechten Augenblick aus dem Weg zu sein. Ein technischer Leitfaden über Kontakt, Freigang, Bauarten und Abstimmung.

Überblick

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Eine gute Auflage trägt - und gibt den Weg frei.

Der Pfeil berührt den Bogen nur an wenigen Stellen. Gerade deshalb muss die Auflage ihre kleine Aufgabe präzise erfüllen: Höhe halten, kaum stören und den Freigang sichern.

2Kontaktstellen am Recurvepfeil: Auflage und Button
10-15 msbis der Pfeil den Bogen verlässt
< ⅓des Weges berührt der Pfeil die Auflage

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 11-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Bauartenübersicht und Praxisboxen zur Prüfung des Freigangs.

Artikel

01 · Krümmung

Der Pfeil startet gebogen

Eine Pfeilauflage arbeitet nicht mit einem starren Stab, sondern mit einem Schaft, der sich im Lösen bereits krümmt.

Beim Fingerlösen rollt die Sehne über die Fingerkuppen ab und weicht seitlich aus der Mittelebene des Bogens. Die Kraft trifft das Pfeilende dadurch nicht genau in seiner Achse. Während die Spitze wegen ihrer Trägheit zurückbleibt, beginnt der Schaft sich zu biegen.

Diese seitliche Welle ist Teil des Archer's Paradox. Auch bei modernen Recurvebögen mit weit ausgeschnittenem Bogenfenster bleibt die Krümmung bestehen, solange mit den Fingern gelöst wird.

Wie stark der Pfeil reagiert, beschreibt sein dynamischer Spine. Er hängt nicht nur vom Schaft ab, sondern vom gesamten Setup - unter anderem von Zuggewicht, Pfeillänge und Spitzengewicht. Die Auflage muss zu diesem realen Verhalten passen.

02 · Kontakt

Nur einen Wimpernschlag lang

Die Auflage ist keine Schiene. Sie trägt den Pfeil nur im ersten, kritischsten Teil seiner Beschleunigung.

Der Pfeil löst sich von Auflage und Button, bevor er die Sehne verlässt. Danach fliegt er bereits frei schwingend am Bogen vorbei. Die Auflage ist also längst bedeutungslos, bevor der Schuss zu Ende ist.

Daraus folgt ihre wichtigste Eigenschaft: Sie muss den Weg sauber freigeben. Schaft und vor allem Befiederung dürfen im Vorbeiflug weder Auflage noch Button oder Bogenfenster berühren.

Genau das meint Freigang. Jeder nachträgliche Kontakt stört einen ansonsten sauberen Start - unabhängig davon, wie präzise das übrige System eingestellt ist.

03 · Recurve

Höhe von unten, Seite von der Seite

Beim Recurve schwingt der Pfeil horizontal. Deshalb hält die Auflage seine Höhe konstant, während der Button seitlich arbeitet.

Die Recurve-Auflage soll in der Senkrechten möglichst starr sein. Ihre Aufgabe ist eng: den Schaft während der kurzen Kontaktzeit auf gleicher Höhe zu halten und dabei kaum Reibung zu erzeugen.

Die seitliche Bewegung gehört nicht zur Auflage. Sie wird vom Button aufgenommen, der dem horizontalen Flex des Pfeils kontrolliert nachgibt.

Hochwertige Auflagen arbeiten mit federnd oder magnetisch rückgestellten Fingern, die spielfrei in ihre Position zurückkehren. Besonders beim Stringwalking zahlt sich eine prellfreie, formstabile Auflage aus.

kurzer Kontakt

Recurve-Auflage

Hält die Höhe konstant. Die horizontale Bewegung übernimmt der Button.

mittlerer Kontakt

Compound Drop-Away

Trägt den Pfeil und fällt aus der Flugbahn, bevor die Befiederung ankommt.

langer Kontakt

Containment-Auflage

Hält den Schaft rundum fest, ist robust und überträgt Hand-Torque direkter.

04 · Compound

Tragen, dann aus dem Weg fallen

Der mechanische Release lässt den Compoundpfeil fast nur senkrecht schwingen. Dafür braucht er eine andere Antwort.

Eine starre Auflage kann den Compoundpfeil wie ein Sprungbrett zurückwerfen. Drop-Away-Systeme tragen den Pfeil im Auszug und klappen nach dem Lösen aus seiner Flugbahn, bevor die Befiederung ankommt.

Kabelgesteuerte Auflagen reagieren sehr schnell, verlangen aber präzises Timing. Wurfarmgesteuerte Systeme führen den Pfeil tendenziell länger und gelten als robust.

Ältere starre Launcher sind einfach und zuverlässig, garantieren den Freigang aber nicht. Genau dieses Risiko lösen abklappende Auflagen durch Bewegung.

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 11-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Bauartenübersicht und Praxisboxen zur Prüfung des Freigangs.

05 · Vollkontakt

Der Whisker Biscuit als ehrliche Wahl

Containment-Auflagen widersprechen dem Freigang scheinbar - und sind unter rauen Bedingungen trotzdem sinnvoll.

Beim Whisker Biscuit läuft der Pfeil durch einen Kranz dichter Borsten. Der Geschwindigkeitsverlust ist in der Praxis meist gering und auf Jagd- oder Feldistanzen selten entscheidend.

Wichtiger ist die Fehlerverzeihung: Die Borsten umschließen den Schaft über seine ganze Länge und übertragen unbewusste Verdrehungen der Bogenhand direkter auf den Pfeil als eine früh abklappende Auflage.

Dafür hält das System den Pfeil in nahezu jeder Lage und ist sehr robust. Die richtige Wahl hängt deshalb vom Einsatz ab - nicht vom Ruf der Bauart.

BauartSchwingungsebeneKontaktdauerFehlerverzeihung
Recurve, magnetischhorizontalkurz - Pfeil löst sich frühvom Button abhängig
Compound Drop-Awayvertikalmittel - fällt in der Beschleunigunghoch - entkoppelt früh
Whisker Biscuitvertikallang - über die Schaftlängegering - überträgt Hand-Torque

06 · Material

Konstanz schlägt Glätte

Bei der Oberfläche zählt weniger der letzte Bruchteil Reibung als eine Pfeilhöhe, die über viele Schüsse gleich bleibt.

Der Pfeil gleitet unter hohem Druck über einen schmalen Auflagefinger. Schleift sich dort eine Rille ein, sinkt der Schaft ein wenig ab - und der Treffpunkt kann nach unten wandern.

Harte, gleitfähige und verschleißfeste Oberflächen halten die Höhe konstant. Das ist ihr eigentlicher Wert, nicht ein theoretisch minimaler Energieverlust.

Auch Eigenschwingung spielt eine Rolle. Gerät der Trägerarm selbst in Bewegung, während der Pfeil darüber gleitet, wird der Lauf gestört. Eine ruhige, spielfreie Anbindung ist deshalb wichtiger als exotisches Material.

07 · Abstimmung

Prüfen statt glauben

Ob eine Auflage richtig sitzt, zeigt nicht das Datenblatt, sondern der Pfeil im Flug und die sichtbare Spur am Bogen.

Beginne mit dem Freigang. Puder oder Lippenstift auf Befiederung und Bogenfenster machen Berührungen sichtbar. Findest Du Kontakt, prüfst Du zuerst Nockpunkthöhe, Befiederungsstellung und Center Shot.

Der Papiertest zeigt aus kurzer Distanz, wie der Pfeil im Durchflug liegt. Ein senkrechter Riss führt zur Prüfung der Auflagenhöhe, ein waagerechter Riss beim Recurve zu Center Shot und Button.

Der Rohschafttest vergleicht befiederte und unbefiederte Pfeile. Beim Rechtshänder spricht ein Rohschaft rechts der Gruppe für ein dynamisch weiches, links der Gruppe für ein dynamisch steifes Setup. Verändere immer nur eine Größe pro Durchgang.

Freigang

Puder oder Lippenstift

Spuren an Befiederung, Fenster oder Auflage machen jeden Kontakt sichtbar.

Durchflug

Papiertest

Der Riss zeigt, ob Höhe, Center Shot und Button weiter geprüft werden müssen.

Dynamik

Rohschafttest

Die Lage zur befiederten Gruppe zeigt, wie das gesamte Pfeil-Bogen-System reagiert.

Download

ASC Göttingen · Technische Grundlagen

Erst Freigang, dann Feinheit.

Die Webfassung fasst die Mechanik und Abstimmung zusammen. Das PDF enthält den vollständigen Leitfaden mit Schaubildern, Bauartenvergleich und Praxisboxen für die Schießlinie.