ASC · Bogensport GöttingenAnfängerkurs
Stand · Körpermitte

Der feste Grund.

Stand, Gleichgewicht und Körpermitte tragen jede Technik. Dieser Leitfaden zeigt, warum der Schuss am Boden beginnt, wie der Rumpf den Bogenzug hält und was unmittelbar vor dem Lösen im Körper passiert.

Überblick

Bogensportler-Hub

Ruhe im Schuss entsteht aus einem tragfähigen Stand.

Füße, Becken, Rumpf, Kopf und Blick bilden eine Kette. Wenn unten etwas ausweicht, muss oben etwas korrigieren. Genau dort entstehen Zittern, Sehnenkontakt und ein unruhiges Zielbild.

45-50 %Schützen mit schweren Schulterproblemen im Karriereverlauf
8-12 soptimales Haltefenster vor messbarer Ermüdung
7000Jahre v. Chr. als Alter der Holmegaard-Bögen

Leitfaden · Edition 2026

Der komplette Leitfaden als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Tabellen, Schießlinien-Boxen und Praxisbeobachtungen zu Stand und Körpermitte.

Artikel

01 · Fundament

Die Wahl des Standes

Der Stand entscheidet, wie breit die Unterstützungsbasis ist und wie der Körper Bogenzug, Wind und eigene Bewegung aufnimmt.

Der Schuss beginnt am Boden. Was die Füße nicht tragen, muss später von Rumpf, Schulter und Hand korrigiert werden. Eine unruhige Fußposition wandert durch Becken und Wirbelsäule bis in das Zielbild.

Geschlossener, neutraler und offener Stand verändern die Richtung, in der der Körper Kräfte auffängt. Sie sind keine Stilvarianten, sondern unterschiedliche mechanische Antworten.

Für Anfänger ist der geschlossene Stand ein gutes Werkzeug, weil Schultern und Hüften einfach zur Linie finden. Mit wachsender Erfahrung lohnt der offene Stand, weil er in Schussrichtung mehr Basis und oft mehr Sehnenfreiraum gibt.

02 · Standvarianten

Offen, geschlossen, stabil

Der offene Stand setzt sich im olympischen Recurve nicht durch Zufall durch. Er löst biomechanische Probleme, die der geschlossene Stand offen lässt.

Wenn die Füße öffnen und der Oberkörper zur Schusslinie zurückdreht, entsteht eine passive Vorspannung in den schrägen Bauchmuskeln. Diese Spannung verankert den Rumpf gegen den Bogenzug.

Der offene Stand verbreitert die Basis in anterior-posteriorer Richtung, also dort, wo Bogenzug und Wind von vorn oder hinten wirken. Zugleich schafft er mehr Abstand zwischen Sehne und Brustkorb.

Der häufige Fehler liegt in den Knien: Wer die Rotation nicht aus Hüfte und Rumpf holt, verdreht Knie und Bänder. Füße öffnen, Knie über den Füßen halten, Oberkörper drehen - in dieser Reihenfolge.

MerkmalGeschlossenOffen
Basis in Schussrichtungschmal, anfälliger für Wind und Bogenzugbreiter, stabiler gegen Zug- und Windkräfte
Rumpfrotationkaum Rotation, leicht zu lernenOberkörper dreht gegen den Unterkörper
Myofasziale Vorspannunggering, Haltearbeit stärker aktivhoch, schräge Bauchmuskeln passiv gespannt
Sehnenfreiraumgeringer, mehr Risiko für Sehnenkontaktgrößer, saubererer Sehnenflug
EinsatzAnfängerschulung und ruhiger AufbauFortgeschrittene und Wettkampf

03 · Körpermitte

Gleichgewicht ist Bewegung unter Kontrolle

Niemand steht absolut still. Entscheidend ist, wie klein und ruhig der Körper seine Korrekturen hält.

Jeder Mensch schwankt minimal. Im Bogensport wird diese posturale Feinregulierung messbar, weil schon kleine Verschiebungen des Körperschwerpunkts die Visierlinie bewegen.

Kraftmessplatten zeigen den Center of Pressure, also den Punkt, an dem die resultierende Bodenreaktionskraft ansetzt. Eliteschützen bewegen diesen Punkt in der Zielphase kleiner und langsamer als Anfänger.

Das ruhige Fenster ist begrenzt. Nach etwa 8 bis 12 Sekunden im Halten steigt die muskuläre Ermüdung, schnellere Fasern übernehmen und Zittern wird wahrscheinlicher. Dann arbeitet der Stand gegen die Schussruhe.

Gleichgewicht

COP klein halten

Der Körperschwerpunkt darf arbeiten, aber nicht groß und schnell auswandern.

Diagnose

Nachhalten filmen

Absinkender Bogenarm oder wegspringende Zughand zeigen oft einen früheren Standfehler.

Haltefenster

8-12 Sekunden

Wenn das Halten länger dauert, steigt Tremor und die Standruhe wird schlechter.

04 · Anker

Die Rumpfmuskulatur verbindet Boden und Bogen

Armkraft hilft wenig, wenn die Verbindung zwischen Füßen, Becken, Rumpf und Schulter nachgibt.

Die tiefe Rumpfmuskulatur wirkt wie ein Dämpfer. Sie stabilisiert den Körper gegen die Verdrehkräfte des einseitigen Zuges und verhindert, dass kleine Bodenbewegungen ungefiltert oben ankommen.

Ein Hohlkreuz zerstört diese Verbindung. Wenn Brustkorb und Lendenwirbelsäule im Auszug hochziehen, verschwindet Rückenspannung, der Zugellenbogen steigt und der Sehnenfreiraum wird kleiner.

Das Becken bleibt flach geführt, die tiefe Bauchmuskulatur aktiv, die Gesäßmuskulatur wach. Das ist keine harte Anspannung, sondern ein bewusst gesetzter Rahmen, in dem Schulterblatt und Rücken arbeiten können.

Rumpf

Becken flach

Kein Hohlkreuz im Vollauszug. Der Rumpf bleibt tragend statt ausweichend.

Schulter

Brustkorb ruhig

Ein angehobener Brustkorb nimmt Rückenspannung und Sehnenfreiraum.

Training

Tiefer Trapezius

Schulterblattarbeit gehört in die Ausdauer der kleinen Stabilisatoren.

Leitfaden · Edition 2026

Der komplette Leitfaden als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Tabellen, Schießlinien-Boxen und Praxisbeobachtungen zu Stand und Körpermitte.

05 · Vor dem Schuss

Den Klicker erwarten, nicht abwarten

Der Körper bereitet den Rückstoß vor, bevor er passiert. Gute Schützen reagieren nicht erst nach dem Klick.

Beim Lösen beschleunigt der Bogen nach vorn und stört das Gleichgewicht. Das motorische System kann diese Störung vorbereiten: über antizipatorische posturale Anpassungen in Rumpf und Beinen.

Im Recurve zeigt der Klicker die erreichte Auszugslänge. Die Zeit zwischen Klick und Lösen ist kritisch. Je länger der Schütze nach dem Signal wartet, desto stärker steigen Tremor und Unsicherheit.

Der Klicker ist deshalb keine Startpistole. Er bestätigt einen Prozess, den der Körper schon gespürt hat: Spannung im Zugrücken, klare Länge, vorbereitete Gegenreaktion, ruhiges Lösen.

06 · Kopf und Auge

Kopfhaltung und Sehen

Der Kopf ist das letzte Glied in der posturalen Kette. Kleine Neigungen können das Zielbild verändern.

Eine geneigte Kopfhaltung aktiviert Reflexe, die das Blickfeld stabilisieren sollen. Die Augen steuern gegen die Neigung, und diese Rotation kann Parallaxenfehler im Zielbild erzeugen.

Der moderne Seitenanker hilft, weil er eine aufrechte Kopfhaltung erlaubt: Sehne an Kinn oder Nasenspitze, Handkontakt unter dem Kiefer, dominantes Auge ruhig hinter der Linie.

Auch beide Augen offen zu lassen ist keine Anfängerlösung. Binokulares Sehen liefert Tiefenwahrnehmung und größere Schärfentiefe. Wer es ungewohnt findet, übt es kurz und nah, bis das Gehirn das Zielbild sauber filtert.

ThemaStabilRisiko
Kopfhaltungaufrecht, Seitenanker möglichgeneigt, Reflex und Parallaxefehler wahrscheinlicher
Augenbeide Augen offenein Auge zu, weniger Tiefe und Schärfentiefe
Trainingkurz und nah üben, Zielbild filtern lernenDoppelbild vermeiden wollen und zu früh schließen
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ASC Göttingen · Grundlagen für Bogensportler

Der Schuss beginnt am Boden.

Die Webfassung bündelt die wichtigsten Entscheidungen. Das PDF enthält den vollständigen Leitfaden mit Schaubildern, Tabellen, Schießlinien-Boxen und Hinweisen für Trainer:innen und Schützen.