ASC · Bogensport GöttingenAnfängerkurs
Technik · Standhöhe

Maß und Mitte.

Die Standhöhe ist keine bloße Herstellervorgabe. Sie steuert Power Stroke, Kontaktzeit, Pfeilgeschwindigkeit und Fehlerverzeihlichkeit - und wird damit zu einem der wichtigsten Tuning-Parameter am Bogen.

Überblick

Technik-Hub

Standhöhe ist der Abstand, der den Schuss sortiert.

Wer sie nur nach Herstellerbereich einstellt, verschenkt Beobachtung. Der passende Wert entsteht aus Physik, Bogentyp, Geräusch, Gruppenbild und sauberer Dokumentation.

~15 mstypische Kontaktzeit Pfeil-Sehne am Recurve
1/8 Zollempfohlene Schrittgröße beim Tuning
3Bogenarchitekturen mit eigener Priorität

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Tabellen, Schießlinien-Boxen und das vollständige Tuning-Protokoll zur Standhöhe.

Artikel

01 · Physik

Was die Standhöhe steuert

Die Standhöhe ist der Abstand zwischen Sehne und Pivot Point im ruhenden Bogen. Sie ist kein statischer Herstellerwert, sondern ein Tuning-Parameter.

Gemessen wird mit dem Bow Square senkrecht zur Sehne am tiefsten Punkt des Griffs. Eingestellt wird über Twists in der Sehne: Eindrehen verkürzt die Sehne und erhöht die Standhöhe, Ausdrehen senkt sie.

Der Kern ist der Power Stroke: Auszugslänge minus Standhöhe. Je niedriger die Standhöhe, desto länger beschleunigt die Sehne den Pfeil. Mehr Weg bedeutet mehr Energieübertragung und meist höhere Pfeilgeschwindigkeit.

Dieser Gewinn ist nicht kostenlos. Ein längerer Beschleunigungsweg hält den Pfeil länger am System. Damit bekommen Lösefehler, Handverdrehung und kleine Bewegungen mehr Zeit, sich auf den Pfeil zu übertragen.

02 · Kontaktzeit

Das kurze Fenster für Fehler

Die Standhöhe verändert nicht nur Tempo. Sie verändert, wie lange der Pfeil auf der Sehne sitzt.

Bei Recurve-Schüssen liegt die Kontaktzeit zwischen Pfeil und Sehne in Hochgeschwindigkeitsaufnahmen grob bei 15 Millisekunden. Das ist wenig, aber genug, um ein unsauberes Lösen oder einen wandernden Anker sichtbar zu machen.

Niedrige Standhöhe bedeutet mehr Geschwindigkeit und weniger Fehlerverzeihlichkeit. Höhere Standhöhe bedeutet kürzere Kontaktzeit, ruhigere Gruppen und etwas weniger Tempo. Dieser Kompromiss ist der eigentliche Gegenstand des Tunings.

Beim Recurve betrifft die Standhöhe vor allem horizontale Streuung. Wenn die Gruppe vertikal breit wird, sind Nockpunkt, Anker oder Creeping wahrscheinlicher als Ursache. Standhöhe löst nicht jedes Trefferbild.

03 · Recurve und Langbogen

Drei Prioritäten, ein Prinzip

Recurve, Blankbogen und Langbogen nutzen dieselbe Physik, aber sie gewichten Tempo, Ruhe und Komfort unterschiedlich.

Beim Recurve rollen die Sehne und die zurückgebogenen Wurfarmenden im Schuss zusammen ab. Deshalb wirken kleine Standhöhen-Änderungen messbar auf Geräusch, Pfeilflug und Gruppenbreite.

Olympische Recurve-Schützen suchen meist den Kompromiss zwischen flacher Flugbahn und ausreichender Fehlerverzeihlichkeit. Blankbogen-Schützen profitieren oft stärker von Systemruhe, weil lange Stabilisatoren und Visier fehlen.

Beim Langbogen ist Standhöhe auch Komfortfrage. Handschock und Schussgeräusch werden direkter spürbar. Der leiseste Punkt und der angenehmste Punkt liegen nicht immer exakt zusammen.

BogentypBereichPriorität
Recurve 62"-64"7,5-8,5 ZollBalance aus Geschwindigkeit und Gruppenbreite
Recurve 66"-68"8,0-9,0 ZollStandardbereich für olympisch und Blankbogen
Recurve 70"-72"8,75-9,5 Zollhöhere Standhöhe für längere Bögen
Langbogen 60"-64"6,0-7,0 ZollHandschock und Geräusch minimieren
Langbogen 66"-70"7,5-8,5 ZollKomfort bei stärkeren Zuggewichten

04 · Compound

Cam-Timing gehört dazu

Beim Compound bestimmt das Cam-System die Kraft-Weg-Kurve. Standhöhe bleibt relevant, aber nie isoliert.

Niedrige Standhöhen um 6 Zoll werden oft als Speed-Setup verstanden: langer Power Stroke, hohe Pfeilgeschwindigkeit, flache Flugbahn. Der Preis ist geringere Toleranz gegenüber Handtorque und Formfehlern.

Höhere Standhöhen um 7 Zoll gelten als fehlerverzeihlicher. Der Pfeil verlässt das System früher, das Trefferbild wird ruhiger, die Geschwindigkeit sinkt geringfügig.

Nach jeder Standhöhen-Änderung am Compound müssen Cam-Timing, Nockpunkt und Pfeilauflageposition erneut geprüft werden. Eine Sehnenänderung verschiebt nicht nur einen Abstand, sondern die Architektur des Systems.

StandhöheKategorieStärkeGrenze
~6 ZollSpeed Bowmaximale Pfeilgeschwindigkeit, flache Flugbahnweniger Fehlerverzeihlichkeit, Handtorque wirkt stärker
~7 ZollForgiving Bowstabileres Trefferbild, weniger anfällig für Formfehlergeringfügig reduzierte Geschwindigkeit

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Tabellen, Schießlinien-Boxen und das vollständige Tuning-Protokoll zur Standhöhe.

05 · Protokoll

In kleinen Schritten arbeiten

Standhöhen-Tuning ist eine Schleife. Wer mehrere Variablen zugleich ändert, verliert die Ursache.

Der Startpunkt ist die mittlere Herstellerempfehlung. Von dort aus wird eine Baseline-Gruppe geschossen und notiert. Der Nockpunkt wird grob eingerichtet, aber noch nicht feinoptimiert.

Dann wird in 1/8-Zoll-Schritten gearbeitet - etwa 3 mm oder drei Twists in der Sehne. Bei jeder Einstellung werden Gruppenbreite, Geräusch und Handschock beobachtet. Einzelpfeile zählen nicht, Muster zählen.

Erst wenn ein oder zwei Sweet Spots erkennbar sind, folgen Nockpunkt, Center Shot, Rohschaft-Test und Walk-Back. Die Standhöhe ist der Rahmen, in dem die Feinabstimmung Sinn ergibt.

Schrittgröße

1/8 Zoll

Kleine Schritte halten die Ursache sichtbar und überspringen den Sweet Spot nicht.

Recurve

Horizontal messen

Standhöhe zuerst bei horizontaler Streuung prüfen, nicht bei vertikalen Gruppen.

Routine

Notieren

Datum, Twist-Anzahl, Standhöhe, Gruppenmaß, Geräusch und Handschock festhalten.

06 · Matrix

Der Sweet Spot ist selten extrem

Die beste Standhöhe ist nicht die schnellste und nicht die ruhigste. Sie ist die passendste für dieses Setup.

Eine niedrigere Standhöhe verlängert den Power Stroke, erhöht die Pfeilgeschwindigkeit und verlängert die Kontaktzeit. Sie kann mehr Tempo bringen, verlangt aber sauberere Ausführung.

Eine höhere Standhöhe verkürzt den Power Stroke, reduziert Tempo und gibt dem Pfeil weniger Zeit, Formfehler aufzunehmen. Dafür bleibt mehr Restenergie im System, die als Handschock oder Geräusch auftreten kann.

Darum gehört jede Sehne, jedes Setup und jede deutliche Materialänderung wieder gemessen. Gedächtnis ersetzt kein Protokoll. Twist-Anzahl, Standhöhe, Gruppenmaß und Eindruck an der Schießlinie reichen als solide Basis.

LeistungsindikatorNiedrigere StandhöheHöhere Standhöhe
Power Strokelängerkürzer
Pfeilgeschwindigkeithöherniedriger
Kontaktzeit Pfeil-Sehnelängerkürzer
Fehlerverzeihlichkeitgeringerhöher
Handschock und Geräuschgeringerhöher
Pfeil-Spineeher steifer nötigeher weicher nötig
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ASC Göttingen · Technische Grundlagen

Die optimale Standhöhe gehört diesem Setup.

Die Webfassung bündelt die wichtigsten Entscheidungen. Das PDF enthält den vollständigen Leitfaden mit Schaubildern, Tabellen, Schießlinien-Boxen und Protokoll für die Materialarbeit.