ASC · Bogensport GöttingenAnfängerkurs
Technik · Tiller

Der gleiche Takt.

Der Tiller ist die bewusste Asymmetrie der Wurfarme. Er gleicht aus, dass Du den Bogen nicht in seiner geometrischen Mitte belastest - und bringt beide Arme im Schuss zeitlich zusammen.

Überblick

Technik-Hub

Ein Tiller ist richtig, wenn beide Arme gemeinsam ankommen.

Die gemessene Differenz ist nur der Anfang. Entscheidend ist, ob der Nockpunkt beim Lösen gerade nach vorn läuft und der Bogen vertikal ruhig bleibt.

3-6 mmtypischer positiver Startbereich am Recurve
0 mmEven Tiller als Grundregel am Compound
2Wurfarme, die im gleichen Takt arbeiten sollen

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Tabellen, Schießlinien-Boxen und das Diagnoseprotokoll für den Tiller.

Artikel

01 · Asymmetrie

Warum der Bogen nicht symmetrisch zieht

Der Pfeil liegt oberhalb der Bogenhand. Der Schütze zieht also nicht in der geometrischen Mitte des Bogens, sondern darüber.

Der Griff sitzt etwas unterhalb der geometrischen Mitte, damit oberhalb der Hand Platz für Pfeilauflage und Bogenfenster bleibt. Der Druckpunkt der Bogenhand liegt damit unter dem Pfeil.

Beim mediterranen Griff kommt ein weiterer Versatz dazu: ein Finger über dem Pfeil, zwei darunter. Die Sehne wird im Auszug oberhalb der Mitte belastet. Ohne Ausgleich würde der obere Wurfarm stärker durchgebogen als der untere.

Der Tiller ist die Gegenmaßnahme. Ein positiver Tiller macht den unteren Arm geringfügig straffer und gibt dem oberen mehr Abstand zur Sehne. Ziel ist nicht Symmetrie im Ruhezustand, sondern Gleichzeitigkeit im Schuss.

02 · Verhalten

Statisch ist der Start, dynamisch das Ziel

Der statische Tiller ist eine Messgröße. Der dynamische Tiller ist das Verhalten der Wurfarme während des Schusses.

Gemessen wird am aufgespannten, nicht ausgezogenen Bogen: Abstand der Sehne zum oberen Wurfarmansatz minus Abstand zum unteren Wurfarmansatz. Positiv heißt, oben steht die Sehne weiter weg.

Diese Zahl ist nur der Ausgangspunkt. Entscheidend ist, ob beide Arme im Moment des Lösens zeitlich zusammenarbeiten und der Nockpunkt gerade nach vorn läuft.

Der dynamische Tiller hängt auch am Schützen: Zughand, Fingerdruck, Bogenhand, Druckpunkt und Stabilisierung verändern das Verhalten. Deshalb gibt es keinen Perfektwert, der ohne Schützen gilt.

Messung

Statisch

Zwei Abstände im ruhenden Bogen. Gut als Startwert, aber nicht das Ziel.

Schuss

Dynamisch

Die tatsächliche Zeit- und Kraftverteilung der Wurfarme beim Lösen.

Ziel

Nockpunktbahn

Der Nockpunkt soll gerade nach vorn laufen, nicht sichtbar auf und ab.

03 · Recurve

Der olympische Recurve braucht positiven Tiller

Beim olympischen Recurve liegt der Krafteinleitungspunkt deutlich über der Bogenmitte. Dafür ist der positive Tiller gemacht.

Als Startwert sind etwa +3 bis +6 mm verbreitet. Der obere Wurfarm steht dabei etwas weicher, der untere straffer. So sollen sich die Rückstellzeiten angleichen.

Der Wert bleibt ein Startpunkt. Wurfarme, Zuggewicht, Fingerdruck und Stabilisierung verändern das Ergebnis. Eine tiefe V-Bar kann das Nickverhalten anders belasten als ein leichteres Setup.

An ILF- und Formula-Bögen ändern Tillerschrauben nicht nur die Geometrie, sondern auch die Vorspannung. Jede Korrektur ist deshalb zugleich eine kleine Zuggewichtsänderung und verlangt Nachkontrolle.

04 · Blankbogen

Stringwalking verschiebt die Logik

Beim Blankbogen liegt der Griff an der Sehne oft tiefer. Damit wandert auch der Krafteinleitungspunkt.

Beim Untergriff liegen alle Finger unter dem Pfeil. Der Grund für starken positiven Tiller entfällt, weil die Sehne näher an der Mitte oder sogar darunter belastet wird.

Stringwalking verstärkt das: Je tiefer der Crawl, desto stärker wird der untere Wurfarm belastet. Ein Bogen, der für mittlere Crawls ruhig läuft, kann bei extrem tiefem Crawl hörbar aus dem Takt geraten.

In der Praxis ist Even- bis leicht negativer Tiller häufig sinnvoll. Entscheidend ist der meistgenutzte Crawl-Bereich, nicht ein theoretisch perfekter Wert für jede Distanz.

GrifftechnikKraftvektorTiller als Startbereich
Mediterran, 1 über / 2 unterüber der Bogenmittepositiv, +3 bis +6 mm
Untergriff, fester Ankernahe der Mittenull bis leicht negativ
Stringwalking, mittlere Crawlswandert nach unteneven bis ca. -3 mm
Stringwalking, tiefe Crawlsstark nach untennegativ, bogen- und schützenabhängig

05 · Compound

Even Tiller, Timing prüfen

Beim Compound steuern Cams und Kabel die zeitliche Synchronität. Asymmetrischer Tiller stört dieses System.

Am Compound gilt nahezu durchgängig Even Tiller: null Differenz. Die Cams bestimmen, wann die Sehne welchen Weg zurücklegt. Die Wurfarmgeometrie ist nicht das primäre Timing-Instrument.

Wer Wurfarmschrauben asymmetrisch verstellt, verändert Sehnenspannung, Auszugslänge und Cam-Rotation. Genau die Synchronität, die man sucht, kann dadurch verloren gehen.

Zuggewicht wird deshalb über gleiche Umdrehungen beider Schrauben verändert. Danach wird das Cam-Timing geprüft. Tillerarbeit am Compound ist Timing-Kontrolle, nicht freies Probieren.

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die Schaubilder, Tabellen, Schießlinien-Boxen und das Diagnoseprotokoll für den Tiller.

06 · Diagnose

Was der Bogen von selbst zeigt

Dynamischen Tiller kann man nicht sauber ausrechnen. Man kann ihn aber sehen.

Beim langsamen Auszug zeigt das Visier die erste Spur. Driftet es kontrolliert nach oben, steht der obere Arm zu steif und der Tiller wird leicht erhöht. Driftet es nach unten, wird verringert.

Beim Lösen zeigt der Langstabilisator die zweite Spur. Springt die Spitze nach oben, eilt der untere Arm voraus und der Tiller wird erhöht. Springt sie nach unten, dominiert der obere Arm und der Tiller wird verringert.

Der Rohschaft bestätigt die Ballistik. Bleibt er dauerhaft zu hoch oder zu tief, obwohl der Nockpunkt logisch nachgeführt wurde, ist die vertikale Nockpunktbahn wahrscheinlich nicht gerade genug.

BeobachtungUrsacheKorrektur
Visier driftet beim langsamen Auszug nach obenoberer Arm zu steifTiller erhöhen
Visier driftet nach untenoberer Arm zu weichTiller verringern
Langstab kickt beim Lösen hochunterer Arm eilt vorausTiller erhöhen
Langstab kickt nach untenoberer Arm dominiertTiller verringern
Rohschaft bleibt zu hoch oder zu tiefNockpunktbahn nicht geradeTiller revidieren, Nockpunkt neu prüfen

07 · Regelkreis

Tiller und Nockpunkt gehören zusammen

Wer den Tiller verändert, verändert die Geometrie der Sehne gegenüber der Pfeilauflage. Der Nockpunkt muss danach wieder geprüft werden.

Eine Tillerkorrektur ohne anschließende Nockpunktprüfung ist halbe Arbeit. Die wirksame Höhe des Nockpunkts verschiebt sich mit der Geometrie.

Die Reihenfolge bleibt einfach: erst grobe Geometrie mit Standhöhe und Tiller, dann Nockpunkt, danach seitliche Abstimmung über Button, Center Shot und Spine.

Der gefundene Tiller gilt für diesen Schützen in dieser Form. Ändern sich Bogenhand, Fingerdruck oder Stabilisierung, verändert sich auch der dynamische Tiller. Deshalb wird dokumentiert, nicht erinnert.

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ASC Göttingen · Technische Grundlagen

Der Tiller ist richtig, wenn das Verhalten stimmt.

Die Webfassung bündelt die wichtigsten Entscheidungen. Das PDF enthält den vollständigen Leitfaden mit Schaubildern, Tabellen, Schießlinien-Boxen und Diagnoseprotokoll.