ASC · Bogensport GöttingenAnfängerkurs
Zughand

Die letzte Berührung.

Drei Finger halten die Sehne und lassen sie frei. Wie sie das tun, entscheidet über jeden Schuss. Dieser Leitfaden ordnet Hakentiefe, Fingerasymmetrie, stille Finger, Tab und Nervenbelastung.

Überblick

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Die Zughand ist die letzte Schnittstelle zwischen Körper und Sehne.

Der Leitfaden nimmt ausschließlich die Zughand vor: den Haken, die drei Finger an der Sehne, die stillen Finger neben dem Haken, das passive Lösen, den Fingertab und die Warnsignale der Nerven.

30-50-20Richtmaß für Zeige-, Mittel- und Ringfinger
≈100 msmögliche Reaktionszeit auf den Klicker-Fall
1 SeiteDigitalnerven verlaufen seitlich am Finger

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die vollständige Fassung mit Tabellen, Schaubildern und Praxisboxen zur Zughand.

Artikel

01 · Hakentiefe

Tief, nicht flach

Der Haken beginnt bei der Geometrie. Wo die Sehne liegt, entscheidet über Spannung, Hebelarm und sauberes Gleiten.

Ein flacher Haken an den Fingerkuppen fühlt sich für viele Anfänger:innen zunächst direkt und schnell an. Mechanisch ist er ungünstig: Der Hebelarm zwischen Sehne und Fingergelenk wird groß, die Unterarmmuskulatur muss massiv halten und der Handrücken spannt sich mit.

Ein tiefer Haken verlegt die Sehne auf das mittlere Fingerglied, zwischen End- und Mittelgelenk. Der Hebelarm wird kleiner, die Last geht stärker in die passive Struktur und der Handrücken kann flach bleiben.

Genau diese Entspannung entscheidet über den Pfeilabgang. Nur wenn die Sehne ohne seitliches Ziehen aus den Fingern gleiten kann, bleibt das Lösen reproduzierbar.

Hakentiefe

Sehne tiefer setzen

Mittleres Fingerglied statt Fingerkuppe. Der Hebelarm wird kleiner.

Kontrolle

Handrücken flach

Gewölbter oder gespannter Handrücken zeigt meist zu viel aktive Haltearbeit.

Lösen

Nicht aufreißen

Die Finger geben nach. Die Sehne bewegt sie aus dem Weg.

02 · Drei Finger

Die Asymmetrie der drei Finger

Zeige-, Mittel- und Ringfinger halten dieselbe Sehne, aber nicht dieselbe Last.

Die naive Idee wäre eine gleichmäßige Lastverteilung. Die Hand funktioniert anders. Der Mittelfinger ist länger und robuster, der Zeigefinger unterstützt, der Ringfinger ist das schwächste Glied im Haken.

Als Richtmaß hilft 30-50-20: etwa 30 Prozent Zeigefinger, 50 Prozent Mittelfinger, 20 Prozent Ringfinger. Das ist kein Gesetz, sondern eine Orientierung für sauberes Gefühl in der Zughand.

Wenn der Ringfinger zu hart greift oder gegen Ende einer Einheit nachgibt, verformt er die Sehne. Das zeigt sich oft nicht als offensichtlicher Technikfehler, sondern als ungeklärter Seitenfehler im Trefferbild.

FingerRichtwertAufgabeRisiko
Zeigefingerca. 30 %unterstützt den Hakenzu viel Druck kippt die Hand nach oben
Mittelfingerca. 50 %trägt die Hauptlastzu wenig Last macht den Haken instabil
Ringfingerca. 20 %stabilisiert untenÜberlastung erzeugt seitliche Sehnenverformung

03 · Stille Finger

Daumen und kleiner Finger halten nichts

Gerade die Finger, die nicht an der Sehne liegen, können den Schuss stören.

Daumen und kleiner Finger gehören nicht zum Haken. Trotzdem übertragen sie Spannung über Handrücken, Unterarm und Schulter. Wer sie aktiv abspreizt oder starr hält, baut eine Nebenaufgabe in den Schuss ein.

Eine einfache Hilfe ist der Pfadfinder-Gruß im Setup: Die Daumenkuppe berührt leicht den Nagel des kleinen Fingers. Daraus wird der Haken geformt. Im Anker werden beide Finger dann fallen gelassen, nicht gehalten.

Auch der Daumen der Zughand sollte neutral bleiben. Zeigt er zu steil nach oben oder unten, entsteht Spannung im Thenar der Zughand. Leicht seitlich, oft Richtung Zielohr gedacht, bleibt die Hand ruhiger.

Leitfaden · Edition 2026

Das komplette Manuskript als PDF.

Das 13-seitige Originaldokument enthält die vollständige Fassung mit Tabellen, Schaubildern und Praxisboxen zur Zughand.

04 · Lösemoment

Die Sehne räumt die Finger weg

Passives Lösen heißt nicht, dass nichts geschieht. Es heißt, dass die Finger nicht bewusst aufgerissen werden.

Beim sauberen Lösen gibt das System nach. Die Beugemuskulatur lässt los, die gespannte Sehne drückt die Finger beiseite und der Schuss bricht aus der Vorbereitung heraus.

Hochgeschwindigkeitsaufnahmen zeigen: Die Bewegung sitzt vor allem in Mittel- und Endgelenk. Diese Gelenke öffnen kurz und federn zurück. Das Grundgelenk der Finger bewegt sich dagegen kaum.

Wer die Hand nach dem Schuss weit offen nach hinten reißt, kompensiert meist aktiv. Ein ruhiger Haken öffnet wenig, federt zurück und bleibt Teil eines getragenen Nachhaltens.

05 · Interface

Der Fingertab ist Teil des Hakens

Der Tab schützt nicht nur Haut. Er ist die definierte Gleitfläche der Sehne.

Ein Fingertab ist die Oberfläche, über die die Sehne im Moment des Lösens läuft. Ist diese Oberfläche steif, schlecht eingearbeitet oder ungleichmäßig abgenutzt, verändert sich der Pfeilabgang.

Die Lederkante darf nicht über die Fingerspitzen hinausragen. Wenige Millimeter zu viel Material können sich beim Lösen falten und eine wechselnde Kontaktkante erzeugen.

Ein passender Tab ist deshalb kein Zubehör am Rand, sondern ein kalibrierbares Instrument. Er muss zur Hakentiefe passen, gepflegt werden und sich immer gleich anfühlen.

Passform

Kante ertasten

Steht Leder über die Fingerspitzen, wird der Tab getrimmt.

Gleiten

Einarbeiten

Steifes Leder erzeugt mehr Reibung und ein wechselndes Lösegefühl.

Routine

Pflegen

Nach dem Training trocken lagern und die Gleitfläche bewusst erhalten.

06 · Warnsignal

Taubheit ist kein Trainingspreis

Wenn Sehnendruck auf Nervengewebe trifft, schreibt der Körper die Rechnung.

Zu dünnes Tab-Material oder ein flacher Haken können die Sehne direkt auf empfindliches Gewebe über dem Fingergelenk legen. Die Digitalnerven verlaufen seitlich am Finger und reagieren auf wiederholten Druck.

Kribbeln oder Taubheit unmittelbar nach dem Schießen ist ein Warnsignal. Verschwindet es nach Ausschütteln und kurzer Entlastung rasch, war es wahrscheinlich vorübergehend. Bleibt es, gehört der Schießbetrieb gestoppt und medizinisch abgeklärt.

Prävention ist nüchtern: tiefer Haken, passender Tab, angemessenes Zuggewicht und kein Übertraining bei schlechtem Equipment. Frühe Probleme heilen oft. Späte Schäden können bleiben.

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ASC Göttingen · Zughand

Tief greifen. Locker lösen.

Die Webfassung bündelt die wichtigsten Entscheidungen. Das PDF enthält den vollständigen Leitfaden zur Architektur des Hakens, zum Fingertab und zu Warnsignalen an der Zughand.